Kurzschluss gibt Rätsel auf

S-Bahn-Chaos: Darum gibt es häufig keine Durchsagen

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Nichts ging mehr: Am Hauptbahnhof herrschte am Donnerstag auf dem S-Bahnsteig Chaos.

München - Für viele Pendler ist es fast normal: Chaos im Berufsverkehr. Immer wieder fallen S-Bahnen wegen Störungen aus, auch am Donnerstagmorgen meldete die Bahn erneut Ausfälle. Pendler ärgern sich oft über fehlende Information - doch der Grund dafür ist simpel.

Kurz vor 7 Uhr am Mittwoch geschah es: Zwischen Pasing und Laim wurde eine Oberleitung an der S-Bahn-Strecke heruntergerissen. Das reichte aus, um den S-Bahn-Verkehr den ganzen Tag über ins Chaos zu stürzen. Erst am Nachmittag beruhigte sie die Lage allmählich.

Wie das Chaos verlief, lesen Sie hier.

Was der Auslöser dafür war, kann Bahnsprecher Bernd Honerkamp einen Tag später nicht sagen. "Es waren keine Bauarbeiter, es war kein Vogel, es war kein Ast von einem Baum, der darauf gefallen ist." Wenn sich ein Tier - etwa eine Krähe oder ein Greifvogel - auf die Leitung setzt, gibt es meist ohnehin nur einen Kurzschluss. "Das heißt, wir machen die Sicherung wieder rein und der Betrieb kann weiterlaufen." Das Tier überlebt das nicht und liegt verkohlt am Boden, die Störung für den Bahnverkehr jedoch ist eher gering.

Am Mittwoch jedoch ist die komplette Oberleitung gerissen. "Auch der Stromabnehmer der Bahn kann das verursacht haben", sagt Bernd Honerkamp. "Es gibt viele kleine Drähte, die durch eine solche Oberleitung laufen. Die können durchschmoren." Deswegen war das Chaos auch nicht schnell behoben, sondern hat die S-Bahnhöfe den ganzen Tag über beschäftigt.

Entscheidungen müssen häufig ad hoc getroffen werden

Viele verschiedene Möglichkeiten also, der tatsächliche Grund wird sich laut dem Bahnsprecher aber wohl gar nicht eruieren lassen.

S-Bahn-Pendler sind das schon gewohnt: "Störung in der Oberleitung" - immer wieder gibt die Bahn das als Ursache dafür an, dass die Züge nicht rollen. "Das kommt recht häufig vor", bestätigt auch Bernd Honerkamp. Trotzdem haben sich am Mittwoch viele Pendler über die Informationspolitik der Bahn geärgert. Kaum Durchsagen, Zugausfälle, überfüllte Gleise.

"Das Problem war, dass auch die Regionalbahnen von der Störung betroffen waren", sagt Bernd Honerkamp. Denn auch die brauchen die Oberleitungen. Deswegen muss sich die Bahn andere Szenarien überlegen. Eins, das am Mittwoch laut dem Bahnsprecher gut funktioniert hat, war, gestrandete Pendler in Regionalbahnen umsteigen zu lassen. "Viele S-Bahnen sind überhaupt nicht bis Pasing gefahren, sondern haben vorher gewendet. Mit den Regionalzügen kamen die Pendler dann zumindest bis zum Hauptbahnhof."

Hier lesen Sie das S-Bahn-Chaos vom Mittwoch im Ticker nach.

Doch solche Entscheidungen werden den Fahrgästen häufig nicht mitgeteilt. Das hat aber einen einfachen Grund. "Nicht selten sind es Ad-hoc-Entscheidungen, die in Sekunden getroffen werden." Die Ansager, die die Durchsagen für alle S-Bahnhöfe machen, sitzen in München. Oft können sie gar nicht so schnell reagieren und die Meldung an die Reisenden weitergeben.

Bernd Honerkamp verweist deswegen auf den Streckenagenten der Münchner S-Bahn. Dort informiert die Bahn über Störungen auf sämtlichen Netzen, die Seiten sind online und über den Kurznachrichtendienst Twitter abrufbar. Nicht jeder Pendler hat aber ein Smartphone, mit dem er am S-Bahnhof direkt auf die Seite oder die App zugreifen kann. Der Sprecher der Bahn ist sich aber sicher: "Irgendjemand an einem S-Bahnhof hat immer ein Smartphone. Und wer sich dort informiert, der gibt das auch immer an die Mitreisenden weiter. Unser Ziel ist es, optimal zu fahren und die Fahrgäste zu informieren."

Störung behoben: So fährt die S-Bahn

Auch der Donnerstag startete wieder mit einer Störung - diesmal war eine Weiche betroffen. Mittlerweile verkehren die S-Bahnen aber wieder nach Plan.

+++ Stand 11.20 Uhr +++

Die Weichenstörung am Ostbahnhof konnte behoben werden. Der S-Bahnverkehr wird wieder aufgenommen. 

Die Linie S 6 Tutzing verkehrt wieder durch die Stammstrecke. Vereinzelt kommt es noch zu Folgeverzögerungen.

Bilder vom Mittwoch: S3 wird auf der Stammstrecke evakuiert

S3 wird auf Stammstrecke evakuiert: Bilder

pak

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