Er soll Blutwerte verändert haben

Nach Skandal um Transplantationen: Oberarzt angeklagt

München - Ein früherer Oberarzt des Münchner Klinikums rechts der Isar ist wegen angeblicher Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen angeklagt worden.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft veränderte der Mediziner 2009 und 2010 die Blutwerte von drei Patienten, um ihnen einen besseren Platz auf der Warteliste für Spenderorgane zu verschaffen.

Dabei habe er billigend in Kauf genommen, dass schwerstkranke andere Patienten auf der Liste nach hinten rutschten und die nötigen Organe erst später erhielten, heißt es in der Anklage. Die Ermittlungsbehörde wirft dem 46-Jährigen laut Mitteilung vom Mittwoch versuchte gefährliche Körperverletzung vor.

Der Rang auf der zentralen Warteliste der Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden richtet sich danach, wie dringend ein Patient eine Transplantation benötigt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Blutwerte. Diese soll der Münchner Arzt laut Anklage manipuliert haben. In zwei Fällen stammten die Blutproben nach Ansicht der Ermittler nicht von den Patienten selbst. In einem Fall soll der Mann dem Blut andere Substanzen beigemischt haben. Zwei Patienten erhielten tatsächlich neue Lebern. Bei einem Kranken bemerkte ein anderer Arzt die falschen Werte, die angebotene Spenderleber für diesen Patienten wurde daraufhin abgelehnt.

2012 hatte der Skandal rund um Manipulationen bei Organspenden das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschüttert. Ein erster Verdacht tauchte im Juli im Göttinger Uniklinikum auf. Im August erhob die Leitung des Münchner Klinikums rechts der Isar Anzeige und wies auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen hin. Auch in anderen Städten wie Leipzig oder Regensburg gab es Verdachtsfälle. Nach Angaben von Eurotransplant stehen derzeit 16 000 Menschen auf der zentralen Warteliste.

Der frühere Chef der Göttinger Transplantationschirurgie muss sich seit August 2013 wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Ein Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt noch in einem anderen Fall, der allerdings etwas anders gelagert ist. Es geht um die Frage, ob der Mediziner Personen auf die Warteliste setzte, die eigentlich nicht die Kriterien für eine Organtransplantation erfüllen. Nach Angaben des Klinikums der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität kommen Patienten unter Umständen nicht für eine Transplantation infrage, wenn sie etwa Krebs haben, unter schweren Herzerkrankungen leiden oder alkoholabhängig sind.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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