DFB-Stars rauben Kinder den Schlaf

EM: Nach dem Spiel ist vor der Schule

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Am Tag nach dem Dänen-Spiel herrscht Müdigkeit im Sitzkreis dieser dritten Klasse der Grundschule an der Dachauer Straße.

München - Gomez, Poldi, Müller: Das ist alles, was interessiert. Montag, Grundschule an der Dachauer Straße, dritte Klasse: An Multiplikation oder Grammatik ist einen Tag nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark nicht zu denken.

Als Klassleiterin und Direktorin Anke Bichler in der dritten Stunde in die Runde blickt, sieht sie in viele weit offene, gähnende Münder. An den Münchner Schulen grassiert das EM-Fieber – die Symptome: Müdigkeit, Unruhe, Konzentrationsschwäche.

„Bei den vergangenen Turnieren war der Wirbel noch nicht ganz so groß. Da haben die Schüler höchstens das Halbfinale oder Finale ansehen dürfen – da habe ich sogar selbst erlaubt, dass die Kinder eine Stunde später in die Schule kommen“, sagt Schulleiterin Bichler.

Heuer würden selbst Erstklässler zum Teil schon bis um 22.30 Uhr aufbleiben, um ja kein Spiel zu verpassen, berichtet eine Kollegin. Viele Eltern hätten Angst, dass ihre Kinder ausgeschlossen werden, weil sie nicht mit den anderen übers Spiel reden können. „Aber ich ermutige die Kinder der Eltern, die das nicht erlauben. Je mehr Eltern das Aufbleiben verbieten, desto einfacher wird es für die anderen. Wir haben nun mal noch nicht Schuljahresende …“ Ihr Appell: „Seid selbstbewusster, Eltern!“

Wenn es wieder mal zu unruhig wird, spricht Anke Bichler ganz sanft auf die Schüler ein. „Wir Lehrer müssen die Zügel jetzt noch fester in die Hand nehmen.“ Und wenn nichts mehr geht, greift Bichler wieder einmal zur Schullektüre Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse von Christine Nöstlinger und liest vor.

Das Tauschen von EM-Bildern allerdings sieht Bichler sogar mit Wohlwollen: „Das fördert das Sozialverhalten.“ Im Unterricht sind die Aufkleber aber tabu. Auch von Bestrafung bei zu viel Unruhe hält sie nichts. „Ich verstehe die Begeisterung ja. Die Kinder meinen es doch nicht böse.“ Auch sie freut sich aufs Finale – schon weil danach wieder Ruhe einkehrt.

Wie viel Schlaf brauchen Kinder?

Es ist leider so: Für Kinder ist die EM nicht gesund. Ausreichend Schlaf ist wichtig. Experten ­empfehlen für Babys bis drei ­Monate: 16 bis 18 Stunden Schlaf pro Tag. Vier bis fünf Monate: 14 bis 15 Stunden. Sechs bis zwölf Monate: 13 Stunden. Bis vier Jahre: zwölf Stunden. Bis sechs Jahre: 11,5 Stunden. Bis neun Jahre: elf Stunden. Bis elf Jahre: 10,5 Stunden. Bis 13 Jahre: zehn Stunden. Bis 16 Jahre: neun Stunden.

nba

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