Nach Stadtbummel: 72-Jähriger vermisst

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Baldur Pfeifer wird seit Dienstag in München vermisst.

München - Bei einem Stadtbummel in der Kaufinger Straße in München hat eine Frau am Dienstag ihren Ehemann verloren. Im C&A wollte der 72-Jährige nur kurz auf die Toillete, seitdem gilt er als vermisst.

Was für ein Horror: Verschollen in einer fremden Großstadt. Ohne Handy, ohne Geld, ohne Ausweis — und vor allem ohne Ortskenntnis. Einem 72-jährigen Rentner aus Chemnitz in Sachsen ist genau das jetzt in München passiert. Besonders dramatisch: Baldur Pfeifer leidet an Altersdemenz und irrt vermutlich orientierungslos im Stadtgebiet umher. Und das seit drei Tagen!

Am Dienstag machte Baldur P. mit seiner Ehefrau (73) einen Stadtbummel durch die Innenstadt. Gegen 13.30 Uhr musste er auf die Toilette. Das Ehepaar ging in das Kaufhaus C&A an der Kaufingerstraße. Baldur P. wollte die Toiletten in der dritten Etage aufsuchen, seine Frau wartete im Erdgeschoß auf ihn. Jedoch vergeblich.

Baldur P., der noch gut zu Fuß ist, kam nicht zurück. Lautsprecherdurchsagen blieben ergebnislos, ebenso eine mehrstündige Suchaktion, bei der auch die Verwandten teilnahmen, die die Pfeifers in München über Weihnachten besucht hatten. Dann schaltete die Frau die Polizei ein.

„Wir haben die Krankenhäuser abgefragt und alle möglichen Anlaufstellen abgeklappert, leider ohne Erfolg“, sagt Polizeisprecherin Alexandra Schmeitz. Jetzt soll die Fahndung helfen. „Wir bitten die Münchner, Personen, auf die die Beschreibung von Baldur P. passt, konkret anzusprechen und gegebenenfalls die Polizei zu informieren“, sagt Schmeitz. „Sieht ein Herr dem Gesuchten ähnlich, fragen sie ihn, ob er Baldur Pfeifer heißt.“ Denn vielleicht sei ihm gar nicht klar, dass nach ihm gesucht wird.

Beschreibung: Der Gesuchte ist 72 Jahre alt, 1,82 Meter groß und wiegt 92 Kilogramm. Er hat graue kurze Haare und eine Stirnglatze. Zuletzt trug er einen beigen Anorak, einen grauen Pullover, ein blaues Hemd, braune hohe Lederschuhe und eine blaue Kappe. Hinweise an die Polizei unter 089/2 91 00.

Vermisste in München: Fast alle kommen wieder

Besonders, wenn es um ­Kinder geht, bricht schnell ­Panik aus. Plötzlich verlieren die Eltern ihre Kleinen auf dem Christkindlmarkt oder auf dem Oktoberfest aus den Augen und sind sofort total außer sich. Sie suchen selbst, informieren dann die Polizei und sind in den meisten Fällen schon Minuten später wieder beruhigt, weil die Kleinen wieder aufgetaucht sind. „Es gibt viele Vermisste, aber die meisten sind bereits kurz nach der Anzeige aufgeklärt“, sagt Polizeisprecherin Alexandra Schmeitz. 15 000 Personen werden bei der Münchner Polizei pro Jahr als vermisst gemeldet. „Das sind sehr viele, doch nur ein kleiner Prozentsatz bleibt tatsächlich länger weg“, sagt Schmeitz.

99 Prozent werden gefunden, ein Prozent bleibt über einen längeren Zeitraum vermisst oder gilt gar als ganz verschwunden. Besonders bei Kindern ist dies unendlich dramatisch für die Angehörigen. In München liegt der letzte immer noch ungeklärte Vermisstenfall einer Jugendlichen schon 16 Jahre zurück: In der Nacht zum 11. April 1995 verschwand die damals 19-jährige Sonja Engelbrecht spurlos. Ein Freund sah sie zuletzt am Stiglmaierplatz, wo sie ihre Schwester anrufen wollte, damit sie sie abhole. Die Polizei vermutet, dass Sonja ermordet wurde. 2008 entschlossen sich ihre Eltern zu einem schweren Schritt und ließen sie für tot erklären. Von ihrer Leiche fehlt aber bis heute jede Spur.

tz

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