Tödlicher Sturz - Vater: "Ich will die Wahrheit wissen!"

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Stephan T. (oben) stürzte aus der U-Bahn und starb.

München - Die Frage, wie dieser tragische Unfall geschehen konnte – die Eltern von Stephan T. (†28) treibt sie am meisten um. Vater Peter T. ist auf der Suche nach der Wahrheit.

Der Vater Peter T. sagte am Montag verzweifelt zur tz: „Es ist doch noch gar nichts klar. Ich will die Wahrheit wissen!“

Wie die tz berichtete, war Stephan T. in der Nacht zum Samstag nach einer feucht-fröhlichen Feier um 1.05 Uhr mit sieben Freunden in der U5 zwischen Innsbrucker Ring und Ostbahnhof unterwegs. 300 Meter nach der Station ist es dem jungen Mann laut Polizei offenbar gelungen, die Tür zu öffnen. Bei Tempo 80! Er stürzte aus dem letzten Wagen und starb.

Die Münchner Polizei gab unterdessen bekannt, dass eine unbeteiligte Zeugin ausgesagt habe, zwischen den Freunden sei Thema gewesen, ob man die Türe während der Fahrt öffnen könne. Laut dieser Zeugin habe der verunglückte Stephan T. mit enormer Kraft und bloßen Händen die Tür geöffnet. Die MVG bestätigt, dass dies tatsächlich „mit grober Gewalt“ möglich sei, zum Beispiel für die Feuerwehr im Notfall.

Der Vater des Unfallopfers beschreibt seinen Sohn als groß und kräftig. „Vielleicht trifft meinen Sohn eine Teilschuld. Ich will auch niemandem den schwarzen Peter zuschieben. Aber die Türen dürfen doch nicht einfach so aufgehen!“

Bei diesen Worten kämpft der Vater, der noch einen älteren Sohn hat, mit den Tränen. Er und Stephan standen sich nicht nur nahe, sie wohnten auch im selben achtstöckigen Wohnhaus in Schwabing. Peter T. ist dort Hausmeister und wohnt mit seiner Frau in einer anderen Etage als der Verstorbene. „Mein Sohn hat zwar Bauschlosser gelernt, hat zuletzt aber auch als Hausmeister in einem anderen Gebäude gearbeitet.“ Stephan T. war Auto-Liebhaber. Bis vor ein paar Jahren war er in einem Münchner VW-Club.

Auch seine Freunde fragen sich jetzt, ob an dem Unglückswagen nicht trotzdem etwas kaputt war. Dieser stammt aus der ersten U-Bahn-Generation (Baureihe A) vom Jahr 1971. Hier öffnen und schließen sich die Türen durch Luftdruck, der in die Schließzylinder gepumpt wird. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagt: „Wir müssen ausschließen, dass es in irgendeiner Form eine fahrlässige Tötung sein könnte. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist aber ein Fremdverschulden oder Mitverschulden auszuschließen.“ Und weiter: „Allerdings muss noch untersucht werden, ob die Türschlussmechanik korrekt funktioniert hat.“

Der Zug steht derzeit auf dem MVG-Betriebsgelände in Fröttmaning auf einem Abstellgleis. Er ist versiegelt, bis Sachverständige den Türmechanismus begutachtet haben.

Eine Kamera, die im Waggon installiert war, kann offenbar nicht zur Klärung beitragen. Die Festplatte sei defekt, hieß es. Somit gibt es keine Aufzeichnungen. Polizeisprecher Josef Wimmer: „Zur näheren Aufklärung des Sachverhalts sind dringend weitere Aussagen von unbeteiligten Zeugen notwendig. Sämtliche Personen, die sachdienliche Hinweise zu dem Vorfall machen können, werden gebeten, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden.“

nba

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