Er hat einfach nur im Schnee gelegen

Münchnerin stirbt bei Absturz - Hund wartet tagelang auf sie

Eschenlohe – Er hat einfach nur im Schnee gelegen und gewartet. Darauf, dass sein Frauchen zu ihm zurückkehrt. Stundenlang. Tagelang. Doch sie kam nicht wieder. Die Münchnerin war im Eschenlainetal abgestürzt.

Eine 51-jährige Münchnerin ist vermutlich schon am Freitag im Eschenlainetal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) nahe der Grießlaine bei einer Bergwanderung tödlich verunglückt. Sie stürzte im steilen Bergwaldgelände aus bislang ungeklärter Ursache ab. Ihr Hund verweilte bis Sonntag an der Stelle, an dem seine Besitzerin eine Thermosflasche abgestellt hatte. Ganz alleine und verlassen.

Ein ganz typisches Verhalten, wie Tierschützerin Tessy Lödermann erklärt. „Die Flasche war das Bindeglied zwischen den beiden.“ Denn Hunde warten dort, wo sie den Kontakt zu ihrem Eigentümer verlieren. „Man hat schon das Gras unter dem Schnee gesehen“, sagt Christian Barthels, Bereitschaftsleiter der zuständigen Bergwacht Ohlstadt. Deshalb gehen die Einsatzkräfte, die nach mehreren Suchaktionen die Leiche der Frau am Sonntagmittag etwa 300 Meter von der Thermoskanne entfernt auffanden, davon aus, dass der Hund bereits am Freitag sein Frauchen für immer verloren hat. Vermutlich war er davongelaufen und die Münchnerin hatte nach ihm gesucht, bis sich die Tragödie ereignete. Das zumindest ist die Theorie von Bergwacht und Polizei.

Schlimme Stunden der Ungewissheit brachen für den Vierbeiner an. „Er war verängstigt, als wir eingetroffen sind“, sagt der Bereitschaftsleiter. Beim Versuch, ihn einzufangen, lief der Hund Richtung Tal, wo er später am Bahnhof gesichtet wurde. Offenbar war die 51-Jährige mit dem Zug angereist. Daran konnte sich der Hund wohl erinnern, er ging einfach jeder Spur nach, die ihn wieder zu seinem Frauchen führen könnte.

Schließlich gabelten ihn Mitarbeiter des Altenheims St. Barbara auf und entdeckten die Hundemarke, wodurch Rückschlüsse auf die Besitzerin gezogen werden konnten. „Wir wussten somit, dass es sich nicht um einen ausgesetzten Hund oder einen Streuner handelt“, sagt Barthels. Trotzdem handelt es sich um einen ungewöhnlichen Fall. „Das gab’s bei uns noch nie, dass ein Hund Hinweise zu einer vermissten Person gegeben hat“, sagt er.

Angehörige der Frau haben den Hund am Sonntag abgeholt. „Es ist gut, dass er bei ihm bekannten Menschen untergebracht ist“, betont Lödermann vom Tierheim Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen. Denn egal, wie das Unglück passierte, der Hund hat mit dem Tod seines Frauchens seinen wichtigsten Bezugspunkt verloren.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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