In diesem Haus lag die NS-Raubkunst

Nachbarn ahnten nichts: "Er war Einzelgänger"

+
Eine breite Wendeltreppe führt hinauf zu Cornelius Gurlitts Wohnung

München - Dass in Schwabing immense Kunstschätze im Millardenwert in einer zugemüllten Wohnung lagen, überrascht auch die Nachbarn. Die tz hat sich unter ihnen umgehört.

Kannte den Kunstnarren: Christine Gräfin Valvasori

Ein einfaches Mehr­familienhaus im feinen Schwabing: grau, groß, belebt. Mit Vorgarten und Hausmeisterei. 84 Wohnungen auf sieben Stockwerken, 68 sind bewohnt. Unten am Eingang zeigt ein Klingelschild aus Messing auf den Mann, der Gemälde mit Milliardenwert in seiner Wohnung gehortet hat: Kunsthändler-Sohn Cornelius Gurlitt (80). Am Artur-Kutscher-Platz 1 besitzt er in der linken Haushälfte ein Apartment mit Balkon im fünften Stock. Wer ist der mysteriöse Mann mit Milliardenbesitz, auf den die Behörden nur durch Zufall aufmerksam wurden? Die tz auf Spurensuche in Schwabing!

Heruntergelassene Jalousien verhüllen den Blick ins geheimnisvolle Innere – jede andere Wohnung ist von der Straße aus einsehbar. Die Klingel an der rotbraunen Wohnungstür läutet ins Leere. Gurlitt ist nicht da, er war es nie wirklich. Das Schwabinger Apartment war wohl eines von diversen Wohnsitzen. Hier aber hortete er kostbare Kunst. Am Tag nach der Sensation geht es hektisch zu am Artur-Kutscher-Platz. Längst wissen die Nachbarn Bescheid, dass in ihrem Haus ein Schatz aufgetan wurde – gegenüber steht der Zeitungskasten. Den Namen Gurlitt aber kennt kaum jemand. „Irre, dass er solchen Besitz hatte. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich ein Loch zu seiner Wohnung gebohrt“, witzelt ein Nachbar, der seit dreieinhalb Jahren in der Wohnung drüber wohnt. „Es sind 87 Quadratmeter“.

Es gab kaum oder gar keinen Kontakt zu Gurlitt – ebensowenig bei anderen Bewohnern. Selbst Christine Gräfin Valvasori kennt ihn kaum, obwohl sie seit zwölf Jahren nur zwei Türen entfernt lebt. „Er war Einzelgänger. Ich sah ihn nur im Fahrstuhl. Ein sehr seriöser älterer Herr, äußerst reizend und nett. Seit zwei Jahren habe ich ihn schon nicht mehr gesehen.“

Andreas Thieme

Ein spektakulärer Fall

Ich lebe seit zwölf Jahren im Haus, mir ist nie etwas aufgefallen – auch nicht, als die Wohnung geräumt wurde. Was für ein spektakulärer Fall.
Beate Schmitt-Aschmann

Müll in der Wohnung

Ich habe ­gehört: In der Wohnung war viel Müll und verdorbene ­Lebensmittel.
Paul R. (72)

Kaum zu glauben

Ich bin Gaststudent und wohne im ersten Stock des Hauses. Kaum zu glauben, dass hier jemand so viele Gemälde gehortet hat.
Joshua Yudice (24)

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern
Bezirksausschüsse: Was sie tun, wann sie tagen
Bezirksausschüsse: Was sie tun, wann sie tagen

Kommentare