Nachlass des legendären Oberbranddirektors Seegerer

Spannende Einblicke in die Feuerwehr-Geschichte Münchens 

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Am 6. April 1987 ging der gesamte Hofbräukeller am Wiener Platz in Flammen auf.

München - Seit einigen Tagen findet man im Stadtarchiv einen Feuerwehrhelm mit den Spuren einer langen Geschichte. Er ist Teil des Nachlasses von Münchens populärstem Feuerwehrmann der Nachkriegszeit.

Normalerweise landen im Münchner Stadtarchiv riesige Mengen von bedrucktem Papier, Urkunden, Dokumente, Fotos, Filme und Ordner. Seit ein paar Tagen findet man in den kilometerlangen Regalen aber auch einen Feuerwehrhelm mit den Spuren einer langen Geschichte. Er ist Teil des Nachlasses von Münchens populärstem Feuerwehrmann der Nachkriegszeit: Oberbranddirektor Karl Seegerer (1928 – 2015). Auf 15 Regalmetern zeigen sich nun spannende Einblicke in die Geschichte der Münchner Berufsfeuerwehr.

Historiker Anton Löffelmeier mit Seegerers Helm im Stadtrachiv

Und: Seegerer ist in gewisser Weise auch heute noch im Einsatz, nämlich in Gestalt einer Idee, die uns heute ganz alltäglich scheint. Er ist der Mann, der die Idee für die Notarztwagen hatte – der erste davon fuhr am 30. März 1966 zu einer „verschütteten Person“, die von einem Arzt der Poliklinik an Ort und Stelle versorgt wurde. Der erste Wagen war ein BMW 501, der von der Hauptfeuerwache zur Poliklinik raste, den Arzt holte und dann zur Unfallstelle fuhr.

Seegerers Feuerwehrhelm war bei allen spektakulären Großeinsätzen zu sehen: bei Notlandungen auf dem alten Flughafen in Riem, beim Brandanschlag auf das jüdische Altersheim in der Reichenbachstraße, im Bauschutt eines explodierten Hauses in der Winzererstraße.

Der hervorragende Ruf, den sich Seegerer in Fachkreisen erworben hatte, zeigte sich auch darin, dass er nach seiner Pensionierung 1988 damit beauftragt wurde, die Feuerwehren im Osten des wiedervereinigten Deutschland beim Aufbau zu beraten. Er bekam zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Verdienstkreuz 1. Klasse und den Bayerischen Verdienstorden.

Als der Hofbräukeller brannte

Karl Seegerer war der Einsatzleiter bei einem der spektakulärsten Großbränden in München, als am 6. April 1987 der gesamte Hofbräukeller am Wiener Platz in Flammen aufging. Ursache war ein durchgebrannter Elektromotor in der Mälzerei. Durch einen Fahrstuhlschacht breitete sich das Feuer rasend schnell über alle Stockwerke aus und hüllte ganz Haidhausen in eine riesige Rauchwolke

Nach der Notlandung

Seegerer im Jahr 1970 mit OB Hans-Jochen Vogel (90, SPD) bei einer Notlandung einer jugoslawischen Maschine in Riem, die im Schneegestöber über die Landebahn ­geschlittert und wenige Meter vor einem Haus in einem Truderinger Acker zum Stehen kam. Das Flugzeugunglück trug wesentlich zur ­beschleunigten Planung eines neuen Münchner Flughafens bei.

Hier kommt der erste Notarzt

Dieser

BMW 501 war der erste Münchner Notarzt­wagen – eine Idee Seegerers. Auf dem Foto ist die Besatzung zu sehen: ein Feuerwehrmann als Fahrer und ein Arzt (in Weiß).

Der Horror im Altersheim

Seegerer hatte auch die Einsatzleitung am 13. Februar 1970 nach dem Anschlag auf das ­jüdische Altersheim in der Reichenbachstraße 27, das bis heute nicht aufgeklärt ist. Eine unbekannte Person hatte gegen 21 Uhr Benzin im gesamten Treppenhaus verschüttet und es am Ausgang angezündet. Das Feuer breitete sich wegen des Kamineffektes rasch bis in die oberen Stockwerke aus. Sieben der Bewohner konnten nur noch tot ­geborgen werden, neun Schwerverletzte wurden gerettet. Seegerer kam erschöpft und verschmutzt vom Tatort ­direkt in eine Sondersitzung des Stadtrats (kleines Foto oben rechts).

Gas-Explosion

Bei Bauarbeiten in der Winzererstraße wurde 1972 eine Gasleitung beschädigt, was eine gewaltige Explosion zur Folge hatte. Zwei Bauarbeiter waren sofort tot, unter den Trümmern wurden mehrere Verletzte gerettet. Eine Stunde später erschnüffelte ein Polizeihund ein dreijähriges Mädchen, das Seegerer (mit Funkgerät) und seine Leuten mit den Händen ausbuddelten.

Heinz Gebhardt

Das Stadtarchiv ist öffentlich (und kostenlos) zugänglich. Das Einzige, was Sie brauchen, ist Zeit (Dokumente vorbestellen!). Winzererstraße 68, 089/233 03 08.

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