Nackt-Künstler Tunick

Spencer Tunick: „Fokus auf die Körper richten"

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Nackt-Künstler Tunick sagt: "Ich ziehe mich nicht aus."

München - Seine Kunst besteht aus nackten Menschen. Und doch würde sich US-Künstler Spencer Tunick selbst nicht für seine Projekte ausziehen. Warum, verrät er im Interview:

Was kann München als Kulisse bieten, was anderswo nicht geht?

„In dieser Stadt sind ohnehin schon viele nackte Statuen zu sehen. Ich kann nun auf meine Art die Verletzlichkeit des Körpers wieder auf die Straße bringen. Das schafft einen neuen Dialog, einen neuen Begriff für Körper und Masse. Ich habe mich im Vorfeld intensiv mit Richard Wagner und seiner Vergangenheit beschäftigt, mit der Geschichte der Orte, an denen ich arbeiten werde. Das Ganze ist ja sehr verletzlich. Die meisten Künstler schaffen ihr Werk in Ruhe allein und zeigen es erst dann der Öffentlichkeit. Ich arbeite schon mit der Öffentlichkeit, also kann ich Fehler machen. Gut ist aber, dass bei mir nichts in Stein gemeißelt ist - das bringt Spontaneität.“

Hier gibt es weitere Informationen zum Nackt-Projekt am frühen Samstagmorgen.

Wie verbinden Sie während des Shootings die Musik von Wagner mit dem Bild - ist die Musik für alle hörbar, tragen Sie alleine einen iPod, oder läuft alles in Stille ab?

„Ich würde mich nicht wohlfühlen dabei, die Körper und die Musik zur selben Zeit zu erleben. Der Effekt wäre zu stark für mich. Ich war früher im Orchester und spielte selber Wagner, als ich 16 oder 17 Jahre alt war. Somit habe ich eine Verbindung zur Musik. Aber das wäre zu emotional für mich. Musik bringt einen zum Weinen. Wenn später einmal Musik über die Bilder gelegt wird, bin ich selbst nicht sicher, ob das sein muss. Ich würde beides in der Wahrnehmung trennen. Es geht um die Erinnerung an die Musik und an die Arbeit mit den Formen.“

US-Künstler: Auch München soll so nackt werden

Sind die Deutschen aus Ihrer Sich eher prüde oder locker im Thema ausziehen, und würden Sie selbst auch mit ihnen nackt vor die Kamera gehen?

„Ich ziehe mich nicht aus. Sonst würde alle Aufmerksamkeit auf mich gelenkt und nicht auf die Skulptur der Menschen. Es ginge nur um mich, aber ich will den Fokus auf die vielen Körper richten. Die Deutschen sind sehr mutig und wollen mitmachen. Sie wollen wissen, dass man sie braucht und ich brauche sie. Ich brauche Freiwillige. Das passiert nicht irgendwie magisch. Ich könnte mir auch nicht leisten, jeden Teilnehmer zu bezahlen; dann würde ich unter einer Brücke leben. Ich gebe allen, die Teil der Kunst sind, einen Abzug von dem Bild. Einer hat sein Foto für 7000 US-Dollar verkauft. Vielleicht reicht das für den Start in eine Weltreise.“

 

dpa

 

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