Nächste Zugabe im Kostendrama

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Der Umbau der städtischen Bühne verzögert sich – und wird immer teurer

München - Der Umbau des Deutschen Theaters ist ein Drama mit weiteren Akten: Am Dienstag musste der Aufsichtsratsvorsitzende der städtischen Bühne, Bürgermeister Hep Monatzeder, schon wieder eine Zugabe in Millionenhöhe verkünden.

Die Risikozulage für den Umbau sind ebenso verbraucht wie die Rücklagen, die das Deutsche Theater aus städtischen Zuschüssen angehäuft hatte.

Als der Stadtrat 2008 den Umbau der Musicalbühne in der Schwanthalerstraße beschloss, wurden für das Projekt 79,5 Millionen Euro freigegeben. Darin waren 14 Millionen Euro für unvorhersehbare Kostensteigerungen einkalkuliert – ein bei der Stadt übliches Vorgehen. Es kommt aber relativ selten vor, dass dies nicht ausreicht. 2009 etwa musste die Stadt diese Finanzreserve nur bei vier von 39 Bauvorhaben zu mehr als 75 Prozent in Anspruch nehmen – bei 29 Bauvorhaben gar nicht!

Am Dienstag erklärte Monatz­eder nach der Aufsichtsratssitzung mit der für den Umbau zuständigen Projektleitung, dass sich „die bereits 2007/2008 kalkulierten und freigegebenen Baukosten um rund 2,3 Millionen Euro“ erhöhen. Grund seien die bereits bei einer Pressekonferenz im Dezember von ihm genannten Probleme beim Umbau. So seien Bauteile aufgetaucht, die Umplanungen nötig machten – etwa ein unbekannter Keller. Dabei hieß es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat von 2008, das es ein „relativ genaues Bild von der Immobile“ gebe. Monatz­eder spricht überdies von einer ursprünglich vorgesehenen Bausumme von 80,8 Millionen Euro – das sind schon mal 800 000 mehr, als im Stadtratsbeschluss vorgesehen. Diese 2,3 Millionen Euro Mehrkosten werden schon nicht mehr von der Risikovorsorge abgedeckt. Doch das ist noch nicht alles. Monatz­eder: „Daneben mussten seit Baubeginn im Sommer 2008 die markt­bedingt eingetretenen Preissteigerungen in Höhe von 4,2 Millionen Euro im Sanierungsbudget aufgefangen werden.“ Addiert man diese Kostensteigerungen, ergibt sich eine Summe von 7,3 Millionen Euro, mit der der Bau über dem Ursprungsbudget liegt. Er kostet dann 87,3 Millionen Euro.

Durch den längeren Umbau verzögert sich auch die Rückkehr der Bühne von der provisorischen Zeltstadt in Frött­maning in den Stammbau. Sollte sie ursprünglich heuer umziehen, wird das voraussichtlich erst im April 2013, vielleicht sogar erst im Mai 2013 möglich. Im Dezember musste der Stadtrat bereits 3,5 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss locker machen, vergangene Woche wurden nochmals zwei Millionen Euro nachgeschossen. Die Reserven, die das Deutsche Theater aus dem jährlichen Betriebskostenzuschuss der Stadt von 1,7 Millionen Euro zurück gelegt hatte, sind nämlich auch schon weg.

Johannes Welte

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