Nächster Akt im Drama ums Deutsche Theater

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Die Sanierung des Deutschen Theaters im Zentrum verzögert sich

München - Der letzte Vorhang im Zeltprovisorium in Fröttmaning wird sicher erst 2013 fallen, weil die Sanierung des Deutschen Theaters immer länger dauert. Die Kosten drohen zu explodieren.

Da­rum soll der Stadtrat am Donnerstag weitere zwei Millionen Euro Steuergeld lockermachen, empfiehlt der Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Das Deutsche Theater: Bühne für Millionen – Millionen für eine Bühne!

Seit 2008 saniert die Stadt das Musical-Theater in der Schwanthalerstraße für fast 80 Millionen Euro, während der Betrieb im Zelt an der Allianz Arena weitergeht. Dort hätte eigentlich schon heuer der Schluss­applaus erklingen sollen. Bis dahin hätte das Theater das Zelt auch selbst aus Rücklagen zahlen können. Kein Wunder: Schon in der Vergangenheit kassierte das Theater mit 115-jähriger Tradition rund 1,7 Millionen Euro pro Jahr an Zuschüssen aus dem Stadtsäckel.

Dabei blieb es nicht: Die Sanierung dauert länger, weil die Arbeiter unbekannte Bauteile, Fundamente und Keller entdeckten. Der Stadtrat legte im Dezember 3,5 Millionen Euro für das Provisorium bis 2012 drauf. Bereits bei dieser Premiere hatte man befürchtet, dass für eine Verlängerung bis 2013 noch einmal zwei Millionen Euro fällig werden.

Der Zeitplan sei „sehr ehrgeizig“ gewesen, rechtfertigt Bürgermeister und Theater-Aufsichtsratschef Hep Monatzeder (Grüne) die Zugabe. Die Statik habe der Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dass die Premiere im generalüberholten Haus in der Schwanthalerstraße im April 2013 steigen soll, hält er für „sehr realistisch“ – zur Not sei ein Puffer bis Mitte 2013 vorgesehen.

Die FDP hatte im Stadtrat als einzige Partei bereits im Dezember gegen die Zuschüsse gestimmt und sieht sich jetzt bestätigt. „Das ist ja heller Wahnsinn“, sagt Fraktionschef Michael Matter. „Jetzt gegen die Kosten Richtung 100 Millionen! Das ist enorm teuer für ein kulturelles Angebot, das ­ohne Zuschüsse auskommen müsste.“ Andere Musical-Bühnen bräuchten kein Steuergeld. Noch ein Kostendrama sei beim Deutschen Theater nicht ausgeschlossen.

Wo doch schon die jetzigen Zugaben in der Stadtverwaltung umstritten sind: Das Theater will nämlich Anfang 2013 doppelt fahren – im Fröttmaninger Zelt steigen die Bälle, im Zentrum wird das Theater eingerichtet. Dafür braucht die Bühne 18 neue Mitarbeiter. Kosten: 350 000 Euro. Das sei nicht sparsam, ärgert sich Kämmerer Ernst Wolowicz.

Andererseits versucht das Theater jetzt schon zu sparen, wo es geht. Kulturreferent Küppers verweist auf den Etat für 2011: Den will die Bühne einhalten, indem sie auf „bewährte Klassiker“ setzt – zum Beispiel Grease. Das haut selbst Monatzeder nicht aus dem Theatersessel: „Das ist eine Gratwanderung in der Übergangszeit.“ Nach dem Umzug ins alte Haus könne man dann „neue Sachen ­holen“.

David Costanzo

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