Nächtlicher Lärm am Gärtnerplatz: Suche nach einer Lösung

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Seit Jahren Jahren gibt es im Sommer immer wieder Ärger um lärmende Nachtschwärmer.

München - Kaum werden die Nächte im Sommer länger, fängt der Ärger am Gärtnerplatz wieder an: Lärmgeplagte Anwohner schimpfen über Nachtschwärmer. Welche Lösungen des Konflikts es geben könnte, machen Städte wie Berlin und Köln vor.

Hunderte von Menschen, die sich in lauen Sommernächten zuprosten, Anwohner und Behörden, die dem Phänomen weitgehend hilflos begegnen. Mit dem Konflikt, der am Gärtnerplatz zu beobachten ist, sehen sich auch andere Großstädte konfrontiert.
Die Ursache ist das, was Robert Kilp, der Chef des Kölner Ordnungsamtes, eine „Mediterranisierung“ nennt. Immer mehr junge Menschen zieht es im Sommer auf die Plätze. Dort gibt es keine Sperrstunde – und niemanden, der dafür verantwortlich ist, dass es ruhig bleibt.

Der „Kölner Gärtnerplatz“ heißt Brüsseler Platz. Umrandet von Altbauten lassen sich mitten im Belgischen Viertel an Sommerabenden hunderte junge Leute nieder. „Vor fünf, acht Jahren gab es das Problem noch gar nicht“, sagt Kilp, „wenn da ein Anwohner saß, dann war das schon viel“. Bis heute gibt es wie am Gärtnerplatz kaum Straftaten: „Im Grunde ist es eine ziemlich ruhige Szenerie“, sagt der Ordnungsamtschef, „da kommen junge Leute, unterhalten sich, lachen mal. Die Masse macht das Problem, nicht der Einzelne“. Genau das führt zu der Frage: Kann man diesem Einzelnen verbieten, nachts draußen zu sitzen?

In Köln versucht man es mit "weichen" Maßnahmen

In Köln hat man es mit eher „weichen“ Maßnahmen versucht. Zum Beispiel Flutlicht, mit dem man den Platz ab 24 Uhr ungemütlich machen wollte. „Die Lampen hatten keine große Wirkung“, sagt Kilp, „eher im Gegenteil. Wenn sie angingen, haben die Leute gejohlt“. Eine weitere Idee ist es, den Verkauf von Alkohol einzuschränken. Die Kölner „Büdchen-Kultur“, Nacht-Kioske an jeder Ecke, verschärft das Problem aus Sicht der Stadt. Sie hat eine Initiative an das Land Nordrhein-Westfalen gerichtet, den Verkauf von Alkohol ab 22 Uhr zu verbieten.

Jede Freiluft-Kultur wollen die Städte aber nicht verbieten. So war in Köln eine Idee, andere Plätze attraktiver zu machen, um die Masse zu entzerren. „Das ist aber nie wirklich umgesetzt worden“, sagt Kilp, „es gibt schließlich überall Anwohner. Wenn wir denen sagen, wir setzen euch dreihundert Leute nachts vors Haus, sagen die uns doch: Ihr habt sie nicht mehr alle!“

Eine auf den ersten Blick skurrile Idee wird derzeit erprobt: mehr Gastronomie für weniger Lärm. Umliegende Kneipen bewirten Teile des Platzes. Durch die Tische und Stühle hätten weniger Menschen Platz, so die Hoffnung. An Sommerabenden zeigt das Ordnungsamt Präsenz. „Wenn jemand zu laut ist, wird er persönlich angesprochen, Zigarettenkippen auf den Boden werfen kostet 15 Euro“, sagt Kilp. Polizei sei in der Regel aber nicht vor Ort. „Zwangsmaßnahmen gibt es überhaupt nicht“, sagt Kilp. „Da hätten wir Polizeifestspiele und Blaulichtgewitter – und möglicherweise Auseinandersetzungen über Wochen.“

In Berlin drohen Zwangsmaßnahmen

An der Berliner Admiralbrücke gibt es Zwangsmaßnahmen – aber keine Auseinandersetzungen. Die kleine kopfsteingepflasterte Brücke wird an Sommerabenden von Hunderten belagert – ein Albtraum für manche Anwohner. „2010 habe ich manchmal nur drei Stunden die Nacht geschlafen“, berichtet Nachbarin Waltraud Both. Kreuzberger Nächte sind lang – der lange Feierabend auf der Brücke ist aber ein neues Phänomen. „Früher ist man da bis zehn gesessen und dann nach Hause gegangen“, sagt die Anwohnerin. Seit 2008 sei es immer schlimmer geworden. Heuer kann Waltraud Both wieder besser schlafen. Der Grund: Jeden Abend um 22 Uhr macht die Polizei die Brücke frei. „Es wir nicht geräumt, sondern runtergesprochen“, erklärt ein Beamter der zuständigen Wache das betont freundliche Konzept. Die Polizei bleibt anschließend noch Stunden vor Ort, damit die Brücke frei bleibt.

Durch eine Mediation war die Situation um die Brücke kaum entschärft worden. Ideen wie die, mehr Auto-Verkehr anzulocken, wurden verworfen. Durchgesetzt hat sich das Polizei-Konzept. Die beruft sich auf Lärmmessungen und darauf, dass jeden Abend eine Ruhestörung vorliege. Mit Straftaten hat man auch hier kaum Probleme. „In einer typischen Nacht sind so viele Leute da, dass die Menschen nicht schlafen können“, sagt der Polizist. In Berlin zeigen sich aber auch die Grenzen des Konzepts. Viele Nachtschwärmer lassen sich jetzt ein paar Meter weiter nieder – wo es ebenfalls Anwohner gibt.

Felix Müller

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