Nächtliches Verkaufs-Verbot an der Tanke

Proteststurm gegen die Schnapsidee zeigt Wirkung

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Tankstellenbetreiber Hartmut Thiel: „Wir haben dem Einzelhandel nicht wirklich geschadet."

München - Die Diskussion um das nächtliche Verkaufs-Verbot an Bayerns Tankstellen: Weil Betreiber und Kunden auch Wochen nach der Einführung Sturm laufen, will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nun die bürokratischen Regeln lockern.

Bayerns Tankstellenpächter haben in den vergangenen zwei Wochen über 62 000 Unterschriften für den Verkauf von Reisebedarf an jedermann an den bayerischen Tankstellen gesammelt. „Wir werden nächste Woche eine Petition mit dem Ziel der Rückkehr zur alten, bewährten Regelung im Bayerischen Landtag einreichen,“ so Günter Friedl, Vorsitzender des Tankstellengewerbes Bayern. Friedl fordert, dass Reisebedarf wie Zeitungen, Lebensmittel, alkoholfreie und alkoholische Getränke in kleinen Mengen wieder an jedermann verkauft werden darf.

Auch in München ist die Empörung groß: „Wir spüren die neue Regelung bereits, die Einbußen tun uns richtig weh“, so Hartmut Thiel, Tankstellenbetreiber an der Ingolstädter Straße. Er prophezeit: „Viele Tankstellen werden künftig um 20 Uhr zu machen.“

Donnerstag kündigte nun Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an, dass die Vollzugshinweise gelockert werden sollen. „Wir müssen uns schon rechtstreu verhalten, aber möglichst lebensreal und unbürokratisch vollziehen.“ Günter Friedl sieht sich jetzt nahe am Ziel: „Wir sind erleichtert, dass der Ministerpräsident erkannt hat, dass die Beamten weit über das Ziel hinausgeschossen sind.“

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"Es ist ja ein völliger Quatsch, die Verkäufer dazu zu nötigen, die Kunden zu kontrollieren, ob sie mit dem Auto oder dem Radl da sind. Man sollte einfach den Ladenschluss insgesamt liberalisieren." Thomas Friedl (45), Filmproduzent aus München

"So ein Schmarrn: Ich wollte mir am Sonntag Sahne an der Tanke für einen Zwetschgendatschi kaufen, ich bekam sie aber nicht. Entweder sollen die Tankstellen die ganze Zeit über Lebensmittel verkaufen oder gar nicht."

Marissa K. (22), Studentin aus München

"Man braucht doch immer wieder etwas nachts aus der Tankstelle, etwa, wenn man aus dem Urlaub heimkommt. Wenn die Tankstellen keine Lebensmittel mehr verkaufen können, werden sie das Benzin verteuern."

Michael Hergert (32), Angestellter aus Gernlinden

"Ich kaufe öfter abends etwas zu essen an der Tankstelle ein, wenn ich spät von der Arbeit heimkomme. Deshalb finde ich die jetzige Regelung nicht gut. Sie sollte unbedingt abgeschafft werden."

Ivan Efimenko (22), Student aus München

J. Welte

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