Letzter Vorhang am 28. Juli

Nagano nimmt Abschied: Das Interview

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Generalmusikdirektor Kent Nagano (61) sagt Servus

München - Letzter Vorhang für Kent Nagano: Am 28. Juli steht er letztmals am Pult als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper – im Akademiekonzert. Zeit für ein letztes Interview zu sieben Jahren München.

Letzter Vorhang für Kent Nagano: Die Festspiele nähern sich dem Ende, und am 28. Juli steht er letztmals am Pult als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper – im Akademiekonzert. Nagano, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, wird Chef an der Hamburger Staatsoper. Zeit für ein letztes Interview zu sieben Jahren München:

Herr Nagano, in der tz sagte Kunstminister Wolfgang Heubisch, was er sich von Ihrem Nachfolger, Kirill Petrenko, mehr wünschte als unter Ihnen – nämlich Emotion. Sind Sie so ein kühler Kopfmensch?

Kent Nagano: Das müssen Sie meine Frau fragen. Aber im Ernst: Kunst ohne Emotion geht nicht. Es geht auch nicht ohne Spiritualität und Poesie. Aber natürlich auch nicht ohne einen intellektuellen Prozess. Wir machen ja keine Schönheitsoperation, die nur an der Oberfläche bleibt.

Sie gelten vor allem als Spezialist fürs Moderne …

Nagano: Wir leben im 21. Jahrhundert und müssen uns mit der Musik unserer Zeit auseinandersetzen. Wenn wir die große Tradition der klassischen Musik am Leben erhalten wollen, müssen wir auch in die Zukunft investieren. Das Repertoire muss immer die Chance haben, zu wachsen.

Mozart, neben Wagner und Strauss einer der drei Münchner „Hausgötter“, kam bei Ihnen etwas kurz.

Nagano: Man kann nicht alles machen und schon gar nicht gleichzeitig.

Was hatte Sie eigentlich bewogen, sich barfuß im Frack an der berühmten Eisbachwelle im Englischen Garten fotografieren zu lassen?

Nagano: Mich hat es immer fasziniert, von der Brücke an der Prinzregentenstraße den Surfern auf der Eisbachwelle zuzuschauen. Für mich als Surfer hat eine Welle immer einen Anfang und ein Ende. Aber diese Welle steht, da geht nichts voran. Wie gesagt, faszinierend.

Wann haben Sie zuletzt auf dem Brett gestanden?

Nagano: Vor einem Jahr in Kalifornien. Aber Surfen ist wie Radfahren, das verlernt man nie.

Was werden Sie an München am meisten vermissen?

Nagano: Das Bayerische Staatsorchester und den Staatsopernchor. Da hat man immer wieder den Eindruck: So und nicht anders muss etwas klingen. Das ist ein Stück Wahrheit in der Musik. Und ich werde das Publikum vermissen. Dass sich die Leute so stark mit ihrer Oper identifizieren, gibt es nicht oft.

Werden Sie auch die Weißwürste vermissen?

Nagano: Sicher. Und die Berge. Ich bin oft in den Alpen gewandert. Mit meiner Familie, aber auch allein. Das ist großes Theater.

Georg Etscheit

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