"3096 Tage" feiert Premiere

Kampusch: Ihr schwieriger Gang nach München

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Sie stellt sich wieder der Öffentlichkeit: Natascha Kampusch kommt am Dienstag zur Premiere von „3096 Tage“. Links die Einladungskarte zur Filmpremiere

München - Die Leidensgeschichte von Natascha Kampusch wurde verfilmt. Am Dienstag kommt die Österreicherin zur Deutschland-Premiere nach München. Es wird kein leichter Gang für die 25-Jährige.

Es wird ein schwerer Gang für Natascha Kampusch (25) werden, wenn sie am Dienstagabend über den langen roten Teppich ins Mathäserkino kommt. Alle Augen, alle Kameras werden auf sie gerichtet sein. Wie sieht sie aus? Zeigt sie eine Reaktion auf den Film? Wie lebt sie mit der ständigen Opferrolle? Jeder der Gäste, die die Constantin Film einladen wird, stellt sich unwillkürlich diese Fragen.

Denn jeder kennt das Schicksal der Natascha Kampusch, die als Zehnjährige von dem Arbeitslosen Wolfgang Priklopil auf dem Schulweg entführt wurde und achteinhalb Jahre in einem kargen Verlies gefangen gehalten wurde. Psychische und physische Gewalt, Essensentzug, Demütigungen – was das Kind und später die junge Frau ertragen musste, treibt jedem schon bei der bloßen Erzählung die Tränen in die Augen.

Jetzt also der Film, den Regisseurin Sherry Hormann (52) nüchternd und ohne Effekthascherei auf die Leinwand bringen will. Eingefangen hat die Bilder ihr Mann, Star-Kameramann Michael Ballhaus (77), der für dieses Projekt wieder hinter die Kamera zurückgekehrt ist.

Auch Kampusch kehrt mit ihrem Schicksal jetzt erneut an die Öffentlichkeit zurück, nachdem sie sich die letzten Jahre in ihrer Wiener Wohnung eher abgeschottet hatte. Ganz bewusst gehe sie zu den Filmpremieren (am Montag in Wien, am Mittwoch noch in Berlin), auch wenn sie sich auf dem roten Teppich „sehr unwohl“ fühlt, wie sie im Interview mit der österreichischen Online-Plattform news.at gestand. Überhaupt sei das Scheinwerferlicht nichts für sie.

Aber jetzt muss es sein. Sie will sich nicht verstecken, will zeigen, dass sie stark sein kann und dass sie es schaffen kann, mit dem Trauma weiterzuleben.

Den Film "3096 Tage" (nach ihrer Autobiografie), den Bernd Eichinger († 2011) noch auf den Weg brachte, hat sie bereits gesehen.

Beklemmt hätten sie einige Szenen, gestand sie, gerade das Geräusch, wenn ihr Peiniger die Verliestür geschlossen habe. sei ein grausames Geräusch für sie. Richtig schockiert sei sie sogar über die Gewaltszenen gewesen. Nicht, weil sie so nicht stimmen, wie sie Hormann im Film darstellt, vielmehr habe sie es damals als einen Teil von sich wahrgenommen. „Wenn man hingegen von außen sieht, wie jemand gequält wird, ist das schrecklich“, sagte sie news.at.

Nach der Premiere wird es ihr wieder so gehen – auch den Gästen ist nach so einem harten Stoff nicht nach Feiern zumute. Deshalb hat Constantin Film auch keine der sonst üblichen Premierenpartys in einer coolen Location angesetzt. Es gibt keinen Empfang, keinen Champagner. Aber vielleicht die Hoffnung, dass aus der in sich gekehrten Natascha Kampusch eine Frau wird, die irgendwann wieder ein bisschen Freude in ihrem Leben spüren kann.

MZ

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