Unbehagen bei vielen Münchnern

Natrix natrix: Schlangen-Alarm in der Stadt

München - Sie schlängelt sich durch Gärten, windet sich durch Parks oder sonnt sich auf Steinmauern – die Ringelnatter erobert München zurück! Viele Bürger haben Angst.

Und die Münchner selbst machen dieses Comeback möglich: Dank Renaturierungen, neuer Biotope und naturähnlicher Gärten fühlen sich die Reptilien wieder wohl in der Isarmetropole.

Eigentlich ein Grund zur Freude: Denn die Natrix natrix, so die lateinische Bezeichnung, ­gehört weiterhin zu den bedrohten Arten. Doch das Comeback der Kriecher versetzt die Münchner regelmäßig in Panik.

„Wir bekommen pro Woche drei bis fünf Anrufe verängstigter Bürger“, berichtet Markus Baur, der Leiter der Reptilienauffangstation an der Kaulbachstraße, gegenüber "Hallo München".

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

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Schlangen-Alarm in München – gerade jetzt sind die Nattern wieder besonders aktiv: Der Nachwuchs pellt sich aus seinen Eiern, die Eltern sind auf der Suche nach einem Winterquartier. Angst braucht vor den bis zu 1,20 Meter langen Tieren aber niemand zu haben, sagt Reptilien-Experte Baur. Trotzdem: Der Anblick der züngelnden Schlangen treibt vielen Menschen Angstschweiß auf die Stirn. „Die Leute wissen einfach zu wenig über die heimischen Tiere“, erklärt der Fachtierarzt für Reptilien.

Bei der Münchner Berufsfeuerwehr klingelt deshalb seit ein paar Jahren das Telefon immer öfter. Am anderen Ende der Leitung sind dann Menschen, die nicht recht wissen, was sie mit dem neuen Mitbewohner im Garten oder dem Tier im Park anfangen sollen. „Es gibt auf jeden Fall mehr Einsätze“, sagt der Schlangen-Experte der Berufsfeuerwehr, Stephan Zobel.

2009 waren es 37, ein Jahr später bereits 58. Aktuellere Zahlen liegen (noch) nicht vor. Der Trend gehe aber nach oben. Generell rät Zobel, von unbekannten Schlangen Abstand zu halten, sie zu beobachten und die Feuerwehr zu rufen. „Auf keinen Fall den Helden spielen.“ Es gibt aber Zeitgenossen, die sich darum wenig scheren, sondern zur Selbstjustiz in Form einer Schaufel oder einem Stock greifen und das „Problem“ auf ihre Weise lösen.

„Eine Katastrophe“, sagt Schlangen-Experte Markus Baur. Denn die Tierchen stehen immer noch auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Damit die Begegnung zwischen Mensch und Schlange künftig auf beiden Seiten keinen nachhaltigen Schaden anrichtet, setzt Baur vor allem auf Aufklärung. „Früher haben die Kinder in der Schule noch mehr über die heimischen Tiere gelernt.“ Weil das heute nicht mehr so sei, wollen die Reptilien-Spezialisten zusammen mit anderen Einrichtungen bis zum nächsten Frühjahr eine Datenbank erstellen, die die Erkennung von Echse, Schlange & Co. erleichtern soll. Baur: „Nur so können wir ein kleines Stück wilder Natur in der Stadt zurückgewinnen.“

Tobias Gehre

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