Stadt plant Felssanierung – Naturschutz alarmiert:

Isar-Idyll in Gefahr!

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Uhu, Fledermaus und Lurche leben hier: Die Isarhänge werden umgebaut

München - Es ist ein Naturschauspiel, das viele Münchner nicht kennen: Der Isarhang zwischen Harlaching und Grünwald mit seinen Felsabstürzen. Die Stadt will im neuen Jahr die Felsen gegen Abstürze sichern. Der Bund Naturschutz ist entsetzt.

Es ist ein Naturschauspiel, das viele Münchner nicht kennen: Der Isarhang zwischen Harlaching und Grünwald mit seinen Felsabstürzen. Die Stadt will im neuen Jahr die Felsen gegen Abstürze sichern. Der Bund Naturschutz ist entsetzt.

Es waren die Schmelzwasserflüsse der Eiszeitgletscher, die vor bis zu 800 000 Jahren mächtige Schotterschichten ablagerten. Als es vor 10 000 Jahren wieder warm wurde, schnitt sich die Isar in ihr heutiges Tal im Münchner Süden ein, die Seitenwände aus Schotter wurden durch Kalkablagerungen zu den Felsen verbacken, die das schluchtartige Tal zwischen München und Schäftlarn so wild und idyllisch machen.

Für Pflanzen und Tiere sind diese Nagelfluh-Felshänge ein wichtiges Rückzugsgebiet, aber auch der Mensch liebt es, hier zu radeln und zu spazieren – ein Genuss mitten im Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet mit europäischer Bedeutung.

Die Stadt findet nun aber, dass die Felshänge zu gefährlich für den Menschen sind. Tatsächlich kullern ab und an Brocken von den Felsen zu Tal. 2010 wurde eine Stelle entschärft, indem man den lockeren Fels abschlug. Über 50 weitere Felsen werden von Geologen ständig überwacht,

Ab Januar sollen nun Drahtseil-Netze über diese Felsen gehängt werden und am Fuße der Wände sollen zwei bis zweieinhalb Meter hohe Felsfangzäune errichtet werden – so wie man sie von Autobahn-Böschungen in den Alpen kennt. Der längste der Zäune an der Isar soll 300 Meter lang werden!

Der Bund Naturschutz (BN) hält diese Schutzmaßnahmen für überzogen: „Bei einem Informationsgespräch am vergangenen Mittwoch musste das Baureferat einräumen, dass über weite Bereiche keine öffentlichen Wege betroffen seien“, so Dr. Rudolf Nützel, BN-Geschäftsführer in München. Er fürchtet auch, dass viele alte Bäume weichen müssen. Dabei gehe es überwiegend um Gebiete, für die nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofes keine Pflicht zur Verkehrssicherung bestehe. Tatsächlich liege der Isarradweg größtenteils außerhalb der Gefahrenzone. Die Stadt mache jetzt aus dem Naturschutzgebiet einen Park.

Was den BN am meisten alarmiert: „Eine Beteiligung der anerkannten Naturschutzverbände fand nicht statt.“ Auch die Naturschutzbehörden in Stadt und Landkreis seien nicht befragt worden. All das sei aber laut Gesetz Vorschrift. Darum sagt Dr. Nützel: „Wir fordern das Baureferat auf, alle Vorbereitungen für Baumaßnahmen unverzüglich einzustellen.“

Johannes Welte

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