In München

Nazi-Auktion: Fast 300.000 Euro für Hitlers Jacke

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Adolf Hitler und Hermann Göring am Tag der Machtergreifung 1933 in Berlin.

München - Fast 300.000 Euro brachte die Uniformjacke Adolf Hitlers bei einer Versteigerung am Wochenende. Görings Unterhose 3000. Trotz vielfacher Kritik im Vorfeld wurde in München eine stattliche Sammlung von Nazi-Devotionalien versteigert.

Diese Versteigerung sorgte bereits im Vorfeld für Furore: Das Münchner Auktionshaus Herrmann Historica hatte angekündigt, am vergangenen Samstag Stücke aus dem Nachlass des Sammlers John K. Lattimer zu veräußern. Der amerikanische Arzt war während der Nürnberger Prozesse für die medizinische Versorgung der Angeklagten verantwortlich. Der Nachlass bestand aus teils bizarren Stücken der Nazi-Größen. Herrmann Görings seidene Unterhose, ein Kleid von Eva Braun sowie Socken und ein Röntgenbild von Adolf Hitler selbst und seine letzte Uniformjacke. Außerdem der Messingbehälter für Blausäure, mit der Göring Selbstmord beging oder ein Stück des Stricks, mit dem Julius Streicher hingerichtet wurde, um nur einige zu nennen.

Das Auktionshaus ist bekannt für die Versteigerung historischer Gegenstände, dennoch häuften sich die Stimmen, die diesen Umgang mit Nazi-Devotionalien als mindestens fragwürdig einschätzten. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) appellierte an das Unternehmen, die Auktion abzusagen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland bezeichente die Autktion als "widerlich".

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hatte im Vorfeld eine rechtliche Prüfung gefordert. „Man sollte schon prüfen, inwieweit sich solche kommerzielle Sensationsgier, das Geschäft mit dem Führer- und Nazikult, juristisch verhindern lässt“, sagte sie in der vergangenen Woche.

Doch das Haus hielt sich bedeckt: "Man ist sich der verhängnisvollen deutschen Geschichte von 1933 bis 1945 völlig bewusst und lehnt strikt alle neonazistischen und nationalsozialistischen Strömungen ab." Man wolle mit der Versteigerung der Wissenschaft dienen und sich an alle Museen richten. Presse wurde zur Versteigerung nicht zugelassen, um keine unerwünschten Interessenten anzuziehen, wolle man auf jegliche Pressearbeit verzichten.

Kritiker entgegneten, die aufgerufenen Objekte hätten weit mehr Grusel-Faktor als wissenschaftlichen Nutzen, deutsche Museen könnten sich die Preise, die zu erwarten seien, ohnehin nicht leisten.

Trotz allem, die Versteigerung fand statt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, kamen die meisten Gebote via Telefon und Internet. Görings Unterhose wurde im Set mit einem seidenen Nachthemd verkauft, am Ende gab es dafür 3000 Euro. Hitlers Uniformjacke hingegen erzielte eine weit höheren Preis. 275.000 Euro zahlt ein Mann, der laut Bild insgesamt 56 Stücke für rund 600.000 Euro kaufte. Angeblich für ein Museum in Argentinien.      

my mit Material von dpa

 

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