Verdammt zum Nebenjob!

Traurig - immer mehr Münchner müssen dazuverdienen

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Traurig - immer mehr Münchner müssen dazuverdienen.

Der Trend geht zum Zweitjob – und dieser Trend zum Nebenjob ist ebenso traurig wie massiv. Und es werden immer mehr Münchner, die sich etwas dazuverdienen müssen. Was läuft da eigentlich schief?

München - Zahlen der Arbeitsagentur sagen: Mittlerweile haben schon 71.000 Münchner neben ihrem Hauptjob noch eine weitere Tätigkeit in Form eines Minijobs. Das ist eine Steigerung von 48 Prozent im Verlauf von zehn Jahren! 

Bedienung oder in der Bäckerei

„Wenn in München mittlerweile nahezu jeder zwölfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen“, schimpft Mustafa Öz, Chef der Gastro-Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in München.

Münchens NGG-Chef Mustafa Öz.

Zwar sind damit beispielsweise auch Gutverdiener erfasst, die nebenbei als Dozenten arbeiten. Beim weitaus größten Teil handelt es sich aber um Geringverdiener, die sich mit dem zusätzlichen Gehalt das Einkommen aufbessern. Besonders verbreitet ist das im Gastgewerbe: 10.350 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche in München – zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Auch in Bäckereien sind Minijobs laut NGG stark verbreitet.

„Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen“, meint Öz. Und: „Die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt.“

Reallöhne sind seit 2010 kaum gestiegen

Die Zweitjobs boomen, seitdem sie für die Beschäftigten steuer- und abgabenfrei sind. Wer in einemMinijob nebenher arbeitet und nicht mehr als 450 Euro verdient, kann das Finanzamt außen vor lassen. In einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) erkennen die Wissenschaftler einen weiteren Grund für den wachsenden Anteil der Zweitjobs. Die Reallöhne seien – auch für Höherqualifizierte – seit 2010 kaum gestiegen. Da die Lebenshaltungskosten trotzdem weiter in die Höhe schnellten, ist der finanzielle Druck, sich das Gehalt aufzubessern, gestiegen.

Zugleich ist die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch – so verwundert es nicht, dass die Zweitjobber-Quote in Bayern und Baden-Württemberg am höchsten ist. Gewerkschafter Öz fordert eine bessere Bezahlung im Hauptjob. Der Mindestlohn von 8,84 Euro reiche nicht, um davon als Vollzeibeschäftigter in München zu überleben. Die Forscher des IAB fordern, die staatliche Begünstigung von Nebenjobs zu streichen und den Hauptjob attraktiver zu machen.

Mehr als 150.000 Menschen sitzen in München in der Mini-Job-Falle. So auch Amela. Die 40-Jährige will nun aber neu durchstarten - und unsere Zeitung zeigt, wie

Marc Kniepkamp

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