Neonazis provozieren mit Pink-Panther-Melodie

München - Etliche Konfrontationen, sieben Festnahmen und eine ungeheuerliche Provokation sind die Bilanz eines Neonazi-Umzugs am Samstag in der Münchner Innenstadt.

Gegendemonstranten stoppten die Veranstaltung vorzeitig durch eine Straßenblockade. Die Polizei war mit rund 700 Beamten im Einsatz.

Schon vor dem eigentlichen Starttermin der Rechten kochten die Emotionen am Bahnhofsvorplatz hoch. Etwa 350 Gegendemonstranten hatten sich versammelt. Einige von ihnen warfen Schneebälle – teils mit Steinen gefüllt – in Richtung der Neonazis, die zum Teil auch die davor postierten Polizisten trafen. Der Einsatzleiter ließ darum Schutzhelme aufsetzen und auch der Trambahn-Verkehr musste vorsorglich gestoppt werden.

Gegen 14.15 Uhr setzte sich die Versammlung mit etwa 85 überwiegend aus dem Großraum München sowie Nürnberg kommenden Neonazis in Bewegung und zog über die Bayer- und Sonnenstraße zum Sendlinger-Tor-Platz. Doch bereits nach wenigen hundert Metern ließ Robert Kopp, Vizepräsident der Münchner Polizei, den Zug erstmals wieder stoppen, weil über den Lautsprecherwagen die Pink-Panther-Melodie abgespielt wurde – eine geschmacklose Provokation. Denn dieses Musikstück untermalte das Bekennervideo der Zwickauer-Terrorzelle, die mutmaßlich zehn Morde an ausländischen Kleinhändlern zu verantworten hat. Wegen der Billigung einer Straftat (§140 StGB) – in diesem Fall Mord – nahm die Polizei einen 22-jährigen Ebersberger fest, der das Lied aufgelegt hatte.

Auf dem weiteren Zugweg hatten sich an der Sonnenstraße laut Polizei weitere mehrere hundert Gegendemonstranten versammelt. Gegen 15.20 Uhr blockierten schließlich rund 300 Personen die komplette Lindwurmstraße. Kopp entschied, „aus Gründen der Verhältnismäßigkeit“ auf eine Räumung zu verzichten, da es dabei laut dem Polizei-Vizepräsidenten Verletzte hätte geben können. Da auch ein Ausweichen auf eine Ersatzroute an dieser Stelle nicht möglich war, wurde die Versammlung der Rechten dort gegen 17 Uhr beendet. Beim Abzug wurde noch ein 26-jähriger Neonazis festgenommen – der Münchner trug einen Schlagknüppel bei sich.

Ferner wurden unter den Gegendemonstranten eine 25-jährige Münchnerin und ein 30-jähriger Münchner wegen Beleidigungen, eine 15-jährige Dachauerin und ein 16-jähriger Münchner jeweils wegen versuchter Körperverletzung (Würfe von mit Steinen gefüllten Schneebällen) sowie ein 21-jähriger Münchner wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung festgenommen. Verletzt wurde nach Kenntnis der Polizei bei den Zusammenstößen niemand.

Jede Menge Geduld mussten jedoch diejenigen aufbringen, die Samstagnachmittag per Tram oder Auto in der Innenstadt unterwegs waren. Zwischen 12.40 und 17.30 Uhr waren ständig wechselnd Tram-Linien unterbrochen oder zumindest verspätet.

Sven Rieber

Rubriklistenbild: © dpa

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