Netrebko, Schrott & Kaufmann: Die Konzertkritik

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Anna Netrebko (Archivfoto)

München - 15.000 Zuschauer kamen zum Gipfeltreffen der Klassikstars Anna Netrebko, Erwin Schrott und Jonas Kaufmann auf den Münchner Königsplatz. Sie durften feststellen: Klassik ist immer jung. Die Konzertkritik.

Lassen wir die ehemaligen Teeniestars von Take That ruhig toben. Klassik ist immer jung, hat kein Verfalls datum und kann auch dann mitreißen, wenn ab und an ein Hubschrauber stört, Glühwürmchen ablenken und ein besonders penetranter PS-Turbo durchstartet. Verdi, so lernen wir nach der Pause im dramatischen vierten Akt des Trovatore, bringt sogar 15 000 Zuhörer auf dem rappelvollen Königsplatz zu kollektivem Schweigen und Mitleiden.

Einmal rund durch die Klassik von Berlioz über Gounod bis Massenet und Mozart, dazu später Gershwin und mitreißende Zugaben. Aber wenn schon Oper light, unter freiem Himmel und der permanenten Anspannung, ob es nicht doch noch regnet, dann so: mit Anna Netrebko, die ihre Arien mit einer dermaßen notorischen Zuverlässig- und Geschmeidigkeit singt, dass die Brillanten an Hals und Hand fast verblassen. Die Frau, mal goldgelb, mal samtblau gewandet, ist ein Stimmwunder. Verschleiß mag es geben, aber nur, was die Vermarktung ab und an betrifft. Netrebkos Stimme gewinnt immer mehr an Fülle – ohne auf Kosten ihrer klaren Intonation, ihrer dunkel timbrierten Glut zu gehen. Und wenn dann noch der Gatte mit auf der Bühne steht – selten genug, wie die beiden im großen tz-Interview vor ein paar Wochen sagten, dann ist das ja schon die fast halbe Miete.

Für einen Großteil der anderen Hälfte sorgt eben jener Gatte Erwin Schrott, der nach seiner Heimat Uruguay und seinem Kontinent Südamerika auch Europa im Sturm nimmt. Lässig, wie er der Registerarie aus Don Giovanni jede Menge Hinterfotzigkeit verleiht, aber auch gerüttelt Charme. Dazu blättert er im Hochglanzmagazin und hält einige Schönheiten in die Kamera. Lupenreiner, voller Bariton, enorme Kraftreserven, dabei extrem locker – da kann unser Vorzeige-Tenor Jonas Kaufmann nicht ganz mithalten, aber auch er bietet mehr als solide Sangeskunst. Die Träne, der Ausdruck – ein starkes Trio!

Dirigent Marco Armiliato, sportiv schwitzend und lächelnd mit dabei, hatte Spaß. Vielleicht nicht immer mit der Prager Philharmonie, aber mit den Solisten. Spätestens dann, als Schrott ihm nach der Pause ein Glas Wasser reichte.

Matthias Bieber

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