Neuartiges Krankenhaus: Die tz erklärt das Konzept

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Hier an der Ecke Nussbaumstraße/Ziemssenstraße soll die Portalklinik entstehen

München - Die Staatsregierung hat am Mittwoch die neue Portalklinik der LMU abgesegnet. Die tz erklärt das 65-Millionen-Euro-Projekt.

Angenommen, eine 30-jährige Patientin bekommt plötzlich starke Bauchschmerzen. Blinddarm, Schwangerschaft, Gallensteine – was ist die Ursache und vor allem, wohin soll sie gehen? Ab 2016 lautet die Antwort: in die neue ­Portalklinik der LMU, die am Mittwoch von der Staatsregierung abgesegnet wurde. Das 65-Millionen-Euro-Projekt wird eine Klinik für alle Notfälle und für chronisch Kranke, die ­eine teil- und kurzstationäre Behandlung benötigen – mit einer fächerübergreifenden Struktur.

Die tz erklärt das revolutionäre Konzept.

„Schon seit 20 Jahren geht der Trend etwa bei Krebserkrankungen zur interdisziplinären Behandlung“, sagt der Vorsitzende der Planungsgruppe, Internist Prof. Martin Reincke. „In der Portalklinik soll es das erstmals auch für akute Fälle geben. Das Besondere ist, dass die Klinik nicht mehr nach den klassischen Bereichen unterteilt, sondern organ- oder krankheits­bezogen auf die Sorgen der Patienten zugeschnitten wird – das schlägt sich auch im Baukonzept ­nieder.“ So soll es in dem neuen 200-Betten-Haus, das sich auf fünf Stockwerken über 10 000 bis 12 000 Quadratmeter ­erstrecken soll, unter anderem ein Mutter-Kind-Portal, ein Bauch-Hormon-Portal oder ein ­Senioren-Portal geben (siehe unten).

Nach dem aktuellen Stand werden etwa 30 Betten der Geburtshilfe zur Verfügung stehen, 70 Betten sind für chirurgische und 100 für internistische Fälle reserviert. Etwa 100 Spezialisten sollen für rund 50 000 Patienten jährlich ständig vor Ort sein. Das Klinikum der Uni München will dafür aber keine neuen Ärzte einstellen. Reincke: „Innenstadt und Großhadern sollen stärker vernetzt werden, Ärzte sollen auch tageweise wechseln.“

Im Normalfall bleiben die Patienten nur etwa fünf Tage in der Portalklinik, zur weiteren Behandlung geht’s zum großen Bruder nach Großhadern. Langwierige, schwierige Ein­griffe erfolgen bald fast ausschließlich am Stadtrand. Denn der Neubau der Portalklinik an der Ecke Nußbaumstraße/Ziemssenstraße ist zwar genial, aber auch dringend notwendig: ­Einem langfristigen Plan zufolge sollen ­nämlich sukzessive viele Innenstadt-Krankenhäuser in den Westen auf den Campus ziehen, unter anderem die ­Chirurgie an der Nussbaumstraße, die Medizinische Klinik an der Ziemssenstraße, die Medizinische Klinik an der Pettenkoferstraße, die Haunersche Kinderklinik und die Frauenklinik an der Maistraße.

Bei der Bekanntgabe Anfang vergangenen Jahres war der Aufschrei groß. Viele Innenstädtler befürchteten, künftig bei Notfällen weite Wege auf sich nehmen zu müssen. Mit der verbleibenden Augenklinik, der Dermatologie, Psychiatrie und Zahnheilkunde soll die Portalklinik aber die Akut- und Notfall-Versorgung sichern – und das besonders bequem.

Nina Bautz

Infektiologie-Portal

Bei diesem Portal ist das Konzept noch nicht ganz ausgereift. Banale Krankheiten wie grippale Infekte sind kein Thema, hier geht es beispielsweise um schwerste virale Lungenentzündungen. HIV-Patienten kommen hier ebenso her wie Tropenheimkehrer mit Beschwerden. Es gibt Überlegungen, wonach Teile der Tropenmedizin-Abteilung von der Leopoldstraße ganz herziehen sollen.

Senioren-Portal

Das ist wirklich ganz neu: Ein 85-Jähriger mit akuter Lungenentzündung, der auch Demenzerscheinungen aufweist und eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, kann hier in Anwesenheit unterschiedlicher Spezialisten optimal versorgt werden. Das Ziel ist, dass diese sogenannten Komplexpatienten schon nach wenigen Tagen wieder entlassen werden können.

Herz-, Lunge-, Gefäß-Portal

Hier gibt es Hilfe bei einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. Falls im zweiten Fall jedoch nach der Ersthilfe mit einem Katheter eine Bypass-Op nötig ist, kommt der Patient nach Großhadern. Für Gefäßerkrankungen ist eine Zweiteilung geplant: Eingriffe an großen Gefäßen wie der Bauch- oder Brustschlagader übernimmt Großhadern, die Portalklinik kümmert sich vor allem um Beingefäße.

Bauch- und Hormon-Portal

Wenn ein Patient mit akuten Bauchbeschwerden in der Portalklinik ankommt, sind Chirurgen, Gynäkologen, Internisten und andere Spezialisten vor Ort, um die Ursache zu klären. Desweiteren werden im Bauch- und Hormon-Portal zum Beispiel Patienten mit hormonbildenden Tumorerkrankungen behandelt. Diabetes mellitus-Patienten erhalten eine ambulante Hilfe, etwa mit einer Insulintherapie.

Mutter-Kind-Portal

Dieses Portal ist eine integrierte Geburtsklinik. Das Konzept der beliebten Frauenklinik an der Maistraße wird hier fortgeführt, auch ein Großteil des Personals zieht hierher und nicht nach Großhadern. Die meisten Münchner Kindl, die in einfacher Geburt auf die Welt kommen – man rechnet mit etwa mit 2000 pro Jahr –, werden also weiterhin in der Innenstadt das Licht der Welt erblicken, für Risikogeburten ist der große Bruder im Westen zuständig.

Krebs-Portal

Das Krebszentrum des Klinikums der Uni München hat seinen Sitz auf dem Campus in Großhadern. Die Durchführung von Krebstherapien kann ab 2016 aber wohnortsnah im neuen Onkologieportal der Portalklinik in der Innenstadt stattfinden. Die Eingriffe werden hier von kleinen Operationen, etwa bei Brustkrebs, bis hin zur ambulanten Chemotherapie und Strahlentherapie reichen.

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