CSU will Musterbauprojekt retten / Sozialwohnungen sollen auf Nachbargrundstück entstehen / SPD ablehnend

Neue Chance für die Werkbundsiedlung?

Die CSU-Rathausfraktion startet einen letzten Rettungsversuch für die Werkbundsiedlung auf dem Gelände der ehemaligen Luitpold-Kaserne in Schwabing.

CSU-Planungsexperte Walter Zöller will das Modell-Projekt mit einem Trick retten. Die Chancen dafür stehen aber schlecht.

Zum 100-jährigen Jubiläum des Werkbundes, einer Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen, die sich die Hebung der Architektur-Qualität zum Ziel gesetzt hat, sollte in der ehemaligen Luitpold-Kaserne ein wegweisendes Viertel mit rund 500 Wohnungen entstehen. Der japanische Architektur-Professor Kazunari Sakamoto (65) überzeugte die Jury des Architektenwettbewerbs mit einer Mischung aus Wohnhäusern in den verschiedensten Höhen. Dachgärten, Loggien und Grünflächen sollten aus der Werkbundsieldung eine Mischung aus Mini-Tokio und dem toskanischen San Gimignano mit seinen Wohntürmen machen. Die weltweite Architekturszene war begeistert vom Entwurf, der einen Gegenpol zu den tristen Münchner Wohnsiedlungen à la Messestadt Riem setzten sollte.

Auf dem städtischen Grundstück sollten neben privaten Investoren auch städtische Wohnbaugesellschaften bauen. Schließlich muss in jedem Neubaugebiet nach den Vorgaben der Stadt die Hälfte der Wohnungen als geförderte Wohnungen entstehen. Elf Millionen Euro Mehrkosten hätte das bedeutet. Auch die ökologische Bilanz der Sakamoto-Türme wurde bezweifelt, als Rot-Grün den Entwurf vor zehn Monaten ablehnte.

Nun will der Planungssprecher der Rathaus-CSU Walter Zölller das Projekt mit einem Trick retten: „Man könnte ja den Sakamoto-Entwurf wie geplant aufführen und den geförderten Wohnungsbau auf der anderen Seite der Heßstraße gleich gegenüber verwirklichen.“ Das Gebiet dort soll ohnehin auch neu bebaut werden.

Dazu bräuchte die CSU die Stimmen der SPD in der morgigen Sitzung des Planungsausschusses – die wird es aber voraussichtlich nicht geben. SPD-Planungssprecherin Claudia Tausend: „Der Plan der CSU würde zu einer Ghettobildung führen, die wir ja nicht wollen. Wir wollen die Münchner Mischung. Deshalb werden wir den Antrag ablehnen.“

Nun hofft Professor Uwe Kiessler, der den Architektenwettbewerb geleitet hatte, auf OB Christian Ude: „Er könnte in seiner letzten Amtsperiode noch ein Zeichen setzen für den Münchner Wohnungsbau der Zukunft. Ob der geförderte Wohnungsbau nun auf der linken oder rechten Straßenseite stattfindet, spielt doch keine Rolle. Auch die Wärmedämmung ist heutzutage kein großes Thema mehr.“

J. Welte

Quelle: tz

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