Mord-Prozess am Landgericht

Neue Details im Mord-Prozess: So seltsam verhält sich der Stalker

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Der Angeklagte vermummt im Gerichtssaal

Seit Mittwoch steht Ronald B. vor Gericht; er soll seine Ex-Freundin ermordet haben. Das Verhalten des Angeklagten verwundert dabei nicht nur Beobachter.

München - Einen Angeklagten wie Roland B. (46) hat wohl auch Richter Michael Höhne (57) (das ist Münchens härtester Richter) schon lange nicht mehr gesehen. Seit Mittwoch steht B. vor Gericht, weil er im August 2016 seine Ex-Freundin ermordet haben soll. Zu den Vorwürfen schweigt er, stattdessen liefert er nun einen wirren Auftritt nach dem anderen.

Minutenlang hatte er am ersten Verhandlungstag vor den Fotografen gestanden. Aber er drehte sich, wie viele andere Angeklagte, nicht weg oder hielt einen Aktenordner vor sein Gesicht. Stattdessen setzte sich der frühere Architekt die Kapuze seines Gefängnis-Parkas auf und ließ sich genüsslich ablichten. Danach verkündete er: „Ich verweigere mich dem Prozess.“ Und trat schon am 17. August in den Hungerstreik.

„Stand noch Wäsche in der Wohnung?“

In selben Stil machte Roland B. nun am zweiten Verhandlungstag weiter. Mit seinem Verteidiger sprach er kein Wort, sondern befragte die Zeugen des Mordfalles einfach selbst. „Stand noch Wäsche in der Wohnung?“, wollte B. von Kripo-Beamten wissen, die den blutverschmierten Tatort untersucht hatten. „War die Wäsche gestapelt? Haben Sie eine Waschmaschine gesehen oder einen Trockner?“

Darauf mussten die Polizist sogar antworten, denn als Angeklagter hat auch Roland B. ein Fragerecht, von dem er bei jedem Zeugen Gebrauch machte, bis der Richter ihn in die Schranken wies.

Die Anklage wirft Roland B. einen heimtückischen Mord vor: Mit 18 Messerstichen soll er seine Ex-Freundin Tsin-Ieh L. am 16. August 2016 getötet haben. Aus Frust, weil sie ihn nach monatelanger Beziehung im September 2009 verlassen hatte.

Seelenruhig soll B. nach der Horror-Tat davongelaufen sein

Nachbarn aus der Bayrischzeller Straße hatten ihre Schreie gehört und die Polizei gerufen. Seelenruhig sei B. nach der Horror-Tat davongelaufen, hatten sie den Beamten erzählt. Der Atem der sterbenden Frau habe „blubbernde Geräusche“ gemacht. Kurz danach starb Tsin-Ieh L. Eine Nachbarin hatte sie in einer Blutlache im Keller entdeckt.

Grinsend folgte B. gestern den gruseligen Schilderungen vom Tatort. Müde von seinem Hungerstreik hing er über der Anklagebank, die Ellenbogen zur Seite gespreizt, den Kopf auf die Hände gestützt. Per Aushang hatte Tsin-Ieh L. vor ihm gewarnt: „Ich bitte Sie, die Haustür zu verschließen und keine Fremden ins Haus zu lassen.“ Nach dem Messer-Mord fanden Polizisten auf ihrem Schreibtisch eine Liste aller Stalking-Taten, die B. gegen sie verübt haben soll. Zu spät. Denn die letzte hatte tödlich geendet. 

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