Das neue Deutsche Museum

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Hightech pur: Das Museum setzt auf moderne Medien.

München - Undichte Dächer, rissige Fassaden: Auch am berühmtesten Museum Deutschlands hinterlässt die Zeit ihre Spuren. Jetzt steht die 400 Millionen Euro teure Generalsanierung an. Ein Mammut-Projekt!

Der Umbau ist bitter nötig. Das 1925 erbaute Museum wurde noch nie von Grund auf saniert. Jetzt wird der Bau vom Keller bis zum Dach auf Vordermann gebracht. 360 Millionen Euro kommen je zur Hälfte von Bund und Freistaat, 40 Millionen haben private Spender locker gemacht. „Bei uns hat sich so viel aufgestaut. Jetzt können wir endlich loslegen“, erklärt Museumsdirektor Wolfgang Heckl.

77 Millionen Euro gehen allein für den Brandschutz drauf. Fünf neue Treppenhäuser müssen gebaut werden, damit die erforderlichen Fluchtwegvorschriften eingehalten werden können. „Es gibt ständig neue Sicherheitsauflagen, die erfüllt werden müssen. Das kostet Geld“, seufzt Heckl.

Weiteres großes Projekt ist der Bau einer zentralen Schausammlung in Oberschleißheim für 53 Millionen Euro. 80 000 Museumsobjekte schlummern derzeit in sieben Depots. Sie sollen künftig auf dem Gelände der Flugwerft Oberschleißheim aufbewahrt werden und Besuchern zugänglich sein. „Allein die Miete für die Depots beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro im Jahr“, sagt Wolfgang Heckl. „Da rechnet es sich viel mehr, ein Mal eine große Summe für einen Neubau auszugeben.“

74 000 Quadratmeter Fläche umfasst das Deutsche Museum – da wird’s einige Zeit dauern, bis alles fertig ist. „Wir werden das Museum nie ganz schließen, sondern Schritt für Schritt den Umbau angehen“, erklärt Heckl. Er schätzt, dass die komplette Sanierung in 10 bis 15 Jahren abgeschlossen ist. „Für uns ist das ein großer Schritt Richtung Zukunft.“

Mehr interaktive Medien

Das ist Hightech pur: Diese sechs Masken sehen aus wie echte Gesichter – in Wirklichkeit sind es Plastik-Köpfe, die mit einem Projektor bespielt werden. Auf Knopfdruck erzählen die Menschen dahinter ihre Lebensgeschichte, von Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften. Die Köpfe findet man im Zentrum Neue Technologien. Museumsdirektor Wolfgang Heckl will auch an anderer Stelle mehr in solche modernen und interaktiven Medien investieren: „Wir sind nicht nur ein Museum der Vergangenheit und der Gegenwart, sondern auch der Zukunft!“ Auch die alten elektronischen Führer gehören bald der Vergangenheit an. Künftig sollen die Besucher die Infos zu den Ausstellungen aus dem Internet direkt auf ihr Handy laden und dort als Audioguide abspielen können.

Aktualisierte Ausstellungen

Direktor Heckl vor der Ju 52.

Jährlich bestaunen 1,5 Millionen Besucher die berühmten Exponate wie das Flugzeug Ju 52 (Foto). In die Ausstellungen soll auch der Großteil des Geldes fließen: „Bei uns wird nicht nur die Hülle saniert. Wir investieren 95 Millionen Euro in die Ausstellungen“, sagt Museumsdirektor Wolfgang Heckl. Staub wischen, putzen, defekte Teile austauschen: Alleine für die Wartung gehen jährlich Tausende Euro drauf. „In unserer Physikabteilung werden die Knöpfe 1000 Mal am Tag gedrückt – klar, dass da schnell mal was kaputtgeht“, erklärt Heckl. Mit dem Geld sollen die Inhalte technisch und inhaltlich auf den neuesten Stand gebracht werden. „Wir wollen nicht möglichst viele Exponate zeigen, sondern aktuelle Ausstellungen bieten“, erklärt Heckl. Heißt: Veraltete Schautafeln müssen aktualisiert, neue Exponate angeschafft werden. Heckl erklärt: „In der Physik gibt es jedes Jahr einen neuen Nobelpreis – das wollen die Besucher sehen.“ Auch komplett neue Ausstellungen sollen entstehen – zum Beispiel zum Thema digitale Medien.

An der Ludwigsbrücke entsteht ein zweiter Eingang

Hier kommt der neue Eingang hin.

„Wo geht es bitte zum Deutschen Museum?“ Die Zeiten, in denen Touristen nach dem versteckt gelegenen Eingang suchen müssen, haben bald ein Ende. Am Forum soll für 40 Millionen Euro ein weiterer Eingang entstehen, direkt an der Ludwigsbrücke! Das Museum hat den Bau des ehemaligen Kongresssaals, in dem danach das Imax-3-D-Kino untergebracht war, nach dessen Pleite zurückgekauft. „Gerade am Wochenende gibt es an den Kassen riesige Schlangen, das können wir mit einem weiteren Haupteingang entzerren“, sagt Museumsdirektor Wolfgang Heckl. Momentan ist der 2364-Quadratmeter-Bau geschlossen. Neben zusätzlichen Kassen und Ausstellungsräumen soll hier auch ein High-Tech-Planetarium entstehen, in man per Knopfdruck in die gewünschte Galaxie fliegen kann.

Archiv soll digitalisiert werden

Eine Million Bücher stehen alleine in der Museumsbibliothek – darunter alte Schinken aus dem 16. Jahrhundert! „Für manche Werke würden Sammler bis zu 50 000 Euro hinlegen“, verrät Heckl. Aber: Der Bestand ist momentan auf alten Karteikarten verzeichnet – alleine die Kästen sind reif fürs Museum. Das Bücherverzeichnis soll digitalisiert werden – dann können die Besucher am PC nach den Werken suchen. Auch der komplette Bestand des Archivs soll digitalisiert werden und irgendwann auf einer Datenbank frei zugänglich sein. „Kann doch nicht sein, dass ein japanischer Forscher aus Japan extra nach München fliegen muss, um bei uns eine Zeichnung abzufotografieren“, sagt Heckl. Die Werke werden nun Seite für Seite in den Scanner gelegt und abfotografiert, damit der Bestand auch in Zukunft gesichert ist.

82 Millionen Euro für Sanierung

Der ganze Bau kriegt ein neues Dach.

„Das Dach ist so alt, da regnet’s durch“, sagt Museumsdirektor Heckl. 82 Millionen Euro gehen für die Sanierung der Gebäude drauf. Momentan wird das Hauptgebäude neu gedeckt, nach und nach soll der ganze Komplex ein neues Dach bekommen. Auch die alten Holzfenster werden ausgetauscht. „Da pfeift der Wind durch und wir müssen dagegen heizen. Umweltschutz sieht anders aus!“, erklärt Heckl. Die neuen Fenster kriegen sogar UV-Schutz, um die Exponate vor der Sonne zu schützen. Auch die Kuppel der Sternwarte wird erneuert. Außerdem werden im ganzen Gebäude die Strom- und Gasleitungen ausgetauscht, die Fassaden gereinigt und Risse gestopft. Aber: Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz, deshalb wird sich an der alten Optik nicht viel ändern.“

Christina Schmelzer

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