Wer sie gestoppt hat

Neue fiese Tricks: So werden Münchner Senioren ausgenommen

München - Trickbetrüger versuchen immer wieder, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Jetzt wurden fünf Bürger für ihren Einsatz ausgezeichnet. Inzwischen gibt es neue fiese Maschen.

Im Kampf gegen Enkeltrickbetrüger, die nahezu täglich alte Menschen heimsuchen, waren sie das letzte Bollwerk. Dafür gebührt ihnen Dank, Respekt und Anerkennung: Im Münchner Polizeipräsidium dankten Elisabeth Schosser (Münchner Sicherheitsforum) und Polizeivizepräsident Robert Kopp am Mittwoch fünf Bürgern mit je 200 Euro. Sie alle erkannten den Betrug, handelten sofort und bewahrten damit alte Menschen vor dem sicheren Ruin:

Dorita Plange 

 

Die aufmerksamen Bank-Angestellten

Immer wieder sind es Mitarbeiter der Münchner Stadtsparkase, die – speziell geschult – Senioren vor den Betrügern bewahren. Serviceberater Pascal Bauer (22, Foto) von der Stadtsparkasse am Leonrodplatz verweigerte einer langjährigen Kundin (86) kurzerhand die Auszahlung, als sie ihrem Cousin Anton 8000 Euro für den Autokauf schenken wollte. Bauer: „Ich wusste, dass der Cousin genug Geld hat.“

Tatsächlich wäre die Frau beinahe auf einen Trickdieb hereingefallen. Ebenfalls im letzten Moment bewahrten die Stadtsparkassen-Mitarbeiterinnen Susanne Parente (51, links) und Sylvia Lefin (47) eine 82-Jährige davor, einer vermeintlichen Freundin ihrer Tneue-fiese-tricks-werden-muenchner-senioren-ausgenommen-tzochter 26 000 Euro zu geben. Die Seniorin sagte tief bewegt: „Ich war mir so sicher, dass es unsere Uli war. Nie hätte ich gedacht, dass ich auf so etwas Gemeines hereinfalle.“

Der gewiefte Taxifahrer

Seit 1970 fährt Gerhard Spors (62), Außendienstleiter der Verkehrsbetriebe, im Nebenberuf Taxi. Am 23. April dieses Jahres holte er in Pasing eine alte Dame ab: „Sie wollte zu einer bestimmten Bank am Hauptbahnhof. Dabei lag die Filiale quasi um die Ecke.“ Auf der Fahrt erzählte die 88-Jährige bereitwillig, dass sie in der Hauptfiliale 30 000 Euro in bar für ihre Enkelin abheben wollte. Für einen Wohnungskauf! Da klingelten bei Gerhard Spors sämtliche Alarmglocken: „Ich bin direkt zur Polizeiinspektion 16 am Hauptbahnhof gefahren. Dort habe ich den Wagen extra nahe an die Wand geparkt, damit mir die alte Dame nicht einfach wegläuft und habe die Polizisten um Hilfe gebeten. Die haben sich dann sehr nett um sie gekümmert und sie aufgeklärt.“ Über die Polizei ließ die Seniorin ausrichten, dass sie ihrem Retter unendlich dankbar ist.

Der hellwache Rentner

An einem Sommertag im Jahr 2014 klingelte bei Rentner Bruno Schmaus (67) das Telefon: „Grüß Dich, Bruno. Rate mal, wer hier ist“, sagte ein Mann, den der ehemalige Mitarbeiter des Tiefbau-Amtes für einen Moment für einen früheren Kollegen hielt. Und schon bat der vermeintliche alte Kumpel um Geld für einen Wohnungskauf. Schmaus durchschaute den bösen Schwindel sofort: „Ich kenne den Trick und dachte, Du kommst mir gerade Recht.“ Eineinhalb Stunden lang hielt er den Fremden hin, rief nebenher heimlich den Polizeinotruf. Doch zur Geldübergabe kam der Täter dann leider doch nicht. Vier Monate später – am 6. November – starteten die Betrüger den zweiten Versuch: „Diesmal meldete sich bei mir eine Frau, die sich als meine alte Freundin Anna ausgab und sofort 35 000 Euro für einen Wohnungskauf brauchte.“ Und sie machte Druck: „Ich habe mich benommen wie ein dementer alter Mann, der alles vergisst und kein Handy hat. Damit habe ich Zeit gewonnen und mit dem Handy heimlich nebenher die Polizei gerufen.“ Dank seiner Geistesgegenwart wurde Stunden später die Botin (17) der Betrüger-Bande gefasst.

Das sind die miesesten Maschen

Im vergangenen Jahr wurden 500 Münchner Senioren von Trickbetrügern angerufen. 16 fielen darauf herein, verloren insgesamt 500 000 Euro. Polizeivizepräsident Robert Kopp fand dafür gestern deutliche Worte: „Das ist eine menschliche Sauerei!“ In vielen Fällen geben sich die Täter als Verwandte oder Bekannte aus, die um Geld für Auto, Wohnung oder Notlage bitten. Doch es gibt noch andere, richtig böse Varianten:

Schockanrufe: Der vermeintliche Freund oder Verwandte ist angeblich in einen schweren Unfall im Ausland (oft Russland) verwickelt und muss sich sofort mit Bargeld von der drohenden Gefängnisstrafe freikaufen.

Falsche Polizisten täuschen Einbrüche beim Nachbarn vor und wollen in Ihrer Wohnung angeblich die Sicherheit Ihrer Geld- und Schmuckverstecke überprüfen. Bloß nicht hereinlassen! Fragen Sie sofort unter 110 bei der Polizei nach.

Falsche Hausmeister oder Stadtwerke-Mitarbeiter täuschen Wasserschäden und andere Notfälle beim Nachbarn vor und wollen in Ihrer Wohnung irgendetwas überprüfen. Lassen Sie nie (!) Fremde herein.

Neuerdings nehmen Callcenter-Betrügereien zu. Dabei werden Vorauszahlungen für angebliche Gewinne gefordert oder Straf- bzw. Inkassoverfahren angedroht, die nur durch hohe Zahlungen abgewendet werden können. In einigen Fällen riefen falsche BKA-Beamte bis zu 30 Mal am Tag an. Psychoterror pur! Auch hier gilt: Nicht zahlen, lieber sofort 110 anrufen.

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer

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