Beschluss im Stadtrat 

Neue Fußgängerzonen in München: Debatte um Spielstraßen auf Zeit

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Im vorigen Jahr hatte die Stadt bereits mit Installationen experimentiert – wie hier im Westend. 

Neben temporären Fahrradstraßen wird die Stadt auch wieder temporäre Fußgängerzonen und Spielstraßen bekommen. Das hat der Stadtrat beschlossen. Die Vorschläge dazu kamen aus den Bezirksausschüssen.

Von Ende Juli bis Ende September sollen demnach die Ehrengutstraße im Dreimühlenviertel, die zum Viktualienmarkt führende Westenriederstraße und Teile der südlichen Auffahrtsallee zum Nymphenburger Schloss weitgehend für den Autoverkehr gesperrt werden. Zudem soll der Zenettiplatz erneut als Aufenthaltsfläche gestaltet werden.

Diese Sommerstraßen sind in den vergangenen Jahren in vielen europäischen Metropolen immer populärer geworden. In München wurde im Vorjahr der Alpenplatz in Giesing temporär für Autofahrer gesperrt, der Zenettiplatz im Rahmen des Projekts City2Share umgestaltet.

Für die nun ausgesuchten Straßen soll es Ortstermine geben, die Verwaltung will sich sodann mit Polizei und Bezirksausschuss beraten. Denkbar sind gestalterisch neben Schildern auch Pflanztröge und Sitzgelegenheiten.

Pro Bezirksausschuss seien ein bis zwei Straßenabschnitte denkbar. Die Verwaltung weist aber darauf hin, dass Sommerstraßen nicht in jedem Viertel sinnvoll seien. Anfänglich will man sich zudem auf zehn bis 15 Projekte beschränken.

Gerade nun während der Beschränkungen, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben, machten die Sommer- oder Nachbarschaftsstraßen Sinn, sagte SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl. „In einer Stadt in der Isolation zu sein, ist schwierig. Die Münchner werden diesen Sommer in der Stadt verbringen. Mit den Nachbarschaftsstraßen schaffen wir einen Raum, wo die Leute verweilen können.“ Gradl wies darauf hin, dass die Möglichkeit, temporäre Fußgängerzonen einzurichten, bereits gut angenommen werde. Es gebe bereits weitere Anträge aus verschiedenen Vierteln.

„Freibäder, Spielplätze, alles ist überlaufen“, sagte Grünen-Stadträtin Gudrun Lux. Das betreffe nicht nur die Kinder. „Es zieht uns nach draußen, aber der Platz ist eng bemessen. Nun wird der öffentliche Raum Lebensraum für die Nachbarschaft.“

Heike Kainz (CSU) bat darum, dass auch bei künftigen Sommerstraßen der Stadtrat befasst wird. „Die Entscheidung soll uns nicht aus der Hand genommen werden. Einzelne Straßen sollen im Stadtrat beschlossen werden, nicht durch die Verwaltung oder den Bezirksausschüsse.“ Ferner sei wichtig, dass die Bedingungen für Sommerstraßen eingehalten werden, so sind etwa Busstraßen für eine Umwandlung tabu, ebenso Tempo-50-Straßen. „Und es soll nicht Ausmaße annehmen, dass Verkehrsflüsse beeinflusst werden.“

Die FDP ist gegen den Vorschlag. Fraktionschef Jörg Hoffmann: „Für uns geht das zu wenig mit Augenmaß und dem notwendigen Verstädnis für alle Verkehrsteilnehmer einher.“ Sinn sei zudem, diese verkehrsberuhigten Zonen dauerhaft zu etablieren. Corona sei da ein willkommenes Argument.

Im Herbst wird sich der Stadtrat abermals mit dem Thema befassen. Dann will die Verwaltung eine Vorlage für Sommerstraßen im nächsten Jahr präsentieren. Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher: „Es wird niemand gezwungen. Wir sind nur die Ermöglicher. Die Vorschläge kommen aus den Bezirksausschüssen.“ 

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