Gedenktafel in der Residenz

Wo für Münchens Protestanten alles begann

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Gemeinsam enthüllten Minister Markus Söder, Stadtdekanin B arbara Kittelberger und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler (v. li.) die Gedenktafel.

Eine Gedenktafel erinnert in der Residenz an Münchens erste evangelische Kirche, die im April 1800 im umgebauten Ballhaus eröffnet wurde. 

München - Lange hat sich München dem Protestantismus widersetzt. Doch dann gab die katholische Stadt den evangelischen Gläubigen ein umso prächtigeres Zuhause. Daran erinnert nun eine Gedenktafel, die anlässlich des Jubiläumsjahrs „500 Jahre Reformation“ in der Residenz enthüllt worden ist.

Die Reformation des Mönchs Martin Luther war schon 200 Jahre alt, als ihre Anhänger sich endlich auch in der bayerischen Landeshauptstadt offen zu ihrem Glauben bekennen durften. Die Wende kam mit Prinzessin Karoline von Baden. Die hatte ihre Hochzeit mit dem Münchner Kurfürst Max Joseph davon abhängig gemacht, dass sie ihren evangelischen Glauben behalten durfte. Am 2. Juni 1799 wurde der erste evangelische Gottesdienst in München im grünen Saal von Schloss Nymphenburg zelebriert. Doch das war nur eine Übergangslösung. Am 6. April 1800 – 283 Jahre nach Luthers Thesenanschlag – wurde eine evangelische Hofkirche im eigens umgebauten Ballhaus der Residenz eingeweiht. Und da ließ sich der Kurfürst nicht lumpen: Die Kirche bot 900 Menschen Platz.

An diese erste protestantische Kirche in der Stadt erinnert nun eine Gedenktafel im Comité-Hof der Residenz – dort, wo einst das Gotteshaus stand. Die Idee dazu sei geboren worden, weil zum Gestalten der Zukunft auch das Bewahren des Erbes unserer Vergangenheit gehöre, sagte Stadtdekanin Barbara Kittelberger bei der feierlichen Enthüllung. Sakrale Räume seien bei allem Wandel bis heute wichtig geblieben, sagte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. „Unsere Stadt braucht diese heiligen Räume, die erfüllt sind von Ruhe und Stille.“

Bayerns Finanzminister Markus Söder erinnerte in seinem Grußwort als Hausherr und Mitglied der Landessynode daran, dass es in München lange Zeit verboten gewesen sei, „Luthers Irrungen anzuhängen, dieselben zu disputieren, zu beschützen und verfechten“. „Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt“, betonte der Minister.

Anlässlich der Enthüllung wurde eine Ausstellung zur Chronik der Protestanten in München eröffnet. Sie ist noch bis 30. April im Comité-Hof der Residenz zu sehen.

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