Müde, aber glücklich

Neue Gesichter & alte Hasen: Münchner Politiker legen los - „Unser erster Tag in Berlin“

Saskia Weishaupt und Jamila Schäfer (beide Grüne) vor dem Reichstag in Berlin.
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Saskia Weishaupt und Jamila Schäfer (beide Grüne) vor dem Reichstag in Berlin.

Berlin, Berlin - wir sind jetzt in Berlin! Am Montag hat für die frisch gebackenen Abgeordenten aus München der Bundestag begonnen: Jamila Schäfer, Saskia Weishaupt (beide Grüne) und Sebastian Roloff (SPD) sind erstmals in das Parlament eingezogen, während Daniel Föst (FDP) in seine zweite, Wolfgang Stefinger (CSU) in seine dritte Amtszeit geht.

Es sei ein bisschen so, als komme man in eine neue Schulklasse, sagt Jamila Schäfer (28) im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Stimmung sei herausragend. „Die älteren Abgeordneten freuen sich über den neuen Schwung.“ Der Stress sei aber nicht weniger geworden. Zu der übergeordneten Frage nach einer neuen Regierung gesellt sich Alltägliches: „Wo bekomme ich meinen Dienstlaptop her? Und wo ist mein Büro? Und da das noch nicht fertig ist: Wo kann ich was ausdrucken?“ Es sei ein positiver Stress, auch wenn sich die ersten drei Tage anfühlten wie drei Wochen. „Aber man weiß ja, wofür man das macht.“

Sebastian Roloff (mit Carmen Wegge und Carolin Wagner, von links) ist erstmals im Parlament.

Auch Sebastian Roloff ist erschöpft. Mit „letzter Kraft“ habe er sich in den Zug geschleppt, sagt der 38-Jährige. „Ich war unglaublich müde vom Wahlkampf.“ Zeit zum Verschnaufen blieb nicht. „Es ist alles sehr aufregend hier, diese historischen Hallen.“ Die erste Fraktionssitzung war wegen der Pandemie nicht in den Fraktionsräumen, sondern im Plenarsaal. „Es ist alles sehr beeindruckend, vor allem wenn man die größte Fraktion ist: jung, dynamisch.“ Der erste Tag sei 16 Stunden durchgetaktet gewesen, am nächsten ging es so weiter. „Es stehen Termine an, doch dann wären wir bereit für Koalitionsverhandlungen.“

Daniel Föst hatte schon früh die ersten Interviews.

Den Tag nach der Wahl beginne jeder Politiker übermüdet, sagt auch Daniel Föst (45). „Die letzten Wochen des Wahlkampfes sind immer anstrengend, aber der Wahlerfolg und der Wahlabend machen das wieder wett.“ Am Montag habe der Bundesvorstand getagt, und die Bundestagsfraktion habe sich konstituiert. „Im ersten Radio-Interview kurz vor 7 Uhr ging es natürlich um die Frage aller Fragen: Welche Koalition ist am wahrscheinlichsten, was streben die Freien Demokraten an?“ Sitzungen, viele Telefonate, Interviews - „der Schlaf muss erst einmal warten.“

Wolfgang Stefinger in seinem Büro in Berlin.

Aufregend war es selbst für den parlamentarisch alten Hasen Wolfgang Stefinger. „Eine Sitzung jagt die nächste, viele Dinge sind zu klären. Landesgruppenvorstand und Fraktionsvorsitz werden gewählt. Es hat immer etwas von Neustart.“

Der Start war für Saskia Weishaupt (28) eher unwirklich. „Ich habe es am Montagmorgen noch nicht realisiert, dass ich jetzt im Bundestag sitze.“ Die Realität hat sie aber rasch eingeholt. „Der Terminplan ist sehr dicht, es gibt viel Papierkram. Da bleibt wenig Zeit, mal anzukommen.“ So ein bisschen entschädigt hat sie dann der Blick in den Plenarsaal, wo auch die Grünen ihre Fraktionssitzung hatten. „Das war schon sehr schön, das sind tolle Momente, und es wird einem bewusster, dass man jetzt in Berlin ist.“

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