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Diese Zahlen schocken: Telefonbetrüger bringen Münchner Senioren mit neuer Masche um Millionen

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Von: Nadja Hoffmann

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Bei Anruf Abzocke: Senioren sind im Fokus der Betrüger.
Bei Anruf Abzocke: Senioren sind im Fokus der Betrüger. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Erfolg für die Polizei: Sie hat einen so genannten Abholer festgenommen. Der 45-Jährige gehört zu Kriminellen aus Polen, die in München per Schockanruf Millionen-Beute machen. Die Zahl der Fälle steigt rasant. Senioren werden mit einer perfiden Masche dazu gebracht, sechsstellige Beträge herauszugeben.

Es vergeht keine Woche ohne immens hohen Schaden: Wie schlimm das Unheil ist, das Telefonbetrüger anrichten, zeigen die neuesten Zahlen der Münchner Polizei. Demnach haben Kriminelle mit Schockanrufen schon 4,5 Millionen Euro Beute gemacht. Und das allein heuer! Zum Vergleich: 2021 Jahr lag der Schaden in München bei 240 000 Euro. Jetzt ist es der Polizei gelungen, einen der fiesen Betrüger zu schnappen. Allein auf sein Konto geht eine Millionen-Beute.

Falsche Polizisten sind schon hinter Gitter

Er jagt die Betrüger: Chef-Ermittler Hans-Peter Chloupek.
Er jagt die Betrüger: Chef-Ermittler Hans-Peter Chloupek. © Achim Frank Schmidt

„Wir haben in München ein massives Problem mit Schockanrufen“, stellt Hans-Peter Chloupek klar. Er leitet die AG Phänomene im Präsidium, jagt die gewissenlosen Kriminellen seit Jahren. Dabei braucht er Nerven. Denn: Kaum wird ein Erfolg gefeiert, tut sich ein neuer Abgrund auf. Im Oktober ist es der Polizei in Kooperation mit den Kollegen am Bosporus gelungen, einen Call-Center-Ring in sechs türkischen Städten zu zerschlagen: 34 falsche Polizisten wanderten hinter Gitter. Seitdem gab’s laut Chloupek keinen Fall mehr, bei dem falsche Polizisten in München zuschlagen konnten. Stattdessen räumen polnische Kriminelle mit Schockanrufen ab. „Sie arbeiten höchst professionell und organisiert.“ Nicht mehr nur im Familienverbund - wie früher mit dem Enkeltrick.

45-jähriger Pole hat 1,2 Millionen Euro Beute abgeholt

Die Abholer kommen nur kurz ins Land und schnappen sich die Beute, die pro Fall oft über 100 000 Euro liegt. An der Grenze wird das Geld übergeben, verschwindet dort für immer. Teil dieses Systems ist auch der 45-jährige Pole, der der Polizei jetzt in Bamberg ins Netz ging. Er war in 15 Fällen in ganz Bayern beteiligt, um Senioren um ihr Geld zu bringen. Dabei ging es um 1,2 Millionen Euro.

So läuft die miese Masche der Betrüger:  Bei einem Schockanruf ist ein angeblicher Polizeibeamter am Telefon. Seine Geschichte: Ein Angehöriger (Kind oder Enkel) habe einen tödlichen Unfall verursacht. Meist hört der Angerufene dann jemanden kurz weinen. Teils wird der Hörer an einen angeblichen Staatsanwalt weitergereicht: Der Angerufene wird aufgefordert, seinen Liebsten mit einer Kaution vor dem Knast zu bewahren. Die Masche ist laut Polizei hinterhältig: Weil es um die Familie geht, reagieren Angerufene höchst emotional .

Das rät die Polizei:
▶ Ruft ein angeblicher Polizist oder Staatsanwalt an: Einfach auflegen!
▶ Kurz Durchschnaufen, nicht in Panik geraten - es ist nichts Schlimmes passiert!
▶ Dann Hilfe holen: Die richtige Polizei oder ein Familienmitglied anrufen.
▶ Generell ratsam: Seinen Eintrag aus dem öffentlichen Telefonbuch löschen lassen. Betrüger suchen nach älteren Namen

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