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Neue Referentinnen in München: Stadtrat wählt Laura Dornheim - CSU schimpft über „Parteibuch-Besetzung“

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Von: Sascha Karowski

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Laura Dornheim (li.) und Jeanne-Marie Ehbauer sind neue Referentinnen bei der Landeshauptstadt München.
Laura Dornheim (li.) und Jeanne-Marie Ehbauer sind neue Referentinnen bei der Landeshauptstadt München. © Privat/Grüne

Die Stadt München hat zwei neue Referentinnen: Laura Dornheim wird künftig die IT verantworten, Jeanne-Marie Ehbauer das Baureferat übernehmen. Der Stadtrat wählte beide Frauen von den Grünen am Mittwoch ins Amt. Vor allem gegen Laura Dornheim hatte es Widerstände gegeben.

München - Laura Dornheim (38) ist die Enkelin des langjährigen bayerischen Kultusministers Hans Maier (CSU). Und nun ist es ausgerechnet die Partei ihres Großvaters, die mit allen Mitteln gekämpft hat, um Enkelin Laura Dornheim als neue IT-Referentin der Stadt München zu verhindern. Das ist misslungen.

Referentenwahlen in München: CSU-Stadtrat Agerer warf den Grünen Scheinausschreibung vor

Dornheim ist am Mittwoch mit 46 von 79 Stimmen ins Amt gewählt worden. Die CSU hatte einen Gegenkandidaten aufgestellt: Harald Hoefler (61), der bei Siemens mehr als zehn Jahre IT-Leiter der Konzern-Regionen war. Er erhielt 32 Stimmen. Dornheim wiederum ist studierte Wirtschaftsinformatikerin und promovierte an der Leuphana Universität Lüneburg in Gender Studies zu Frauen in Führungspositionen. Nach verschiedenen Tätigkeiten in der Digitalbranche arbeitete sie zuletzt in leitender Funktion bei einem Unternehmen, das sich für Fairness und Nachhaltigkeit im Internet einsetzt, wo sie ein internationales Team leitete.

In der Sitzung warf CSU-Stadtrat Leonhard Agerer den Grünen eine Scheinausschreibung vor. Während es besser qualifizierte Kandidaten gegeben habe, hätten die Grünen im „stillen Kämmerlein“ nach einer Kandidatin gesucht, die zwingend ein grünes Parteibuch hätte haben müssen. „Frau Dornheim wurde gewählt, obwohl es einen eindeutig besser qualifizierten Kandidaten gegeben hätte“, sagte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Egal ob bei der Budgetverantwortung, bei der Mitarbeiterführung oder in der konkreten Umsetzung von IT-Projekten – in allen Punkten habe CSU-Kandidat Hoefler mehr Erfahrung. 

Referenten in München: Jeanne-Marie Ehbauer folgt auf Rosemarie Hingerl als Baureferentin nach

Grünen-Chef Dominik Krause fand naturgemäß wohlwollendere Worte: „Wir freuen uns, dass wir eine Expertin gewonnen haben, die in der städtischen IT vor allem Akzente für mehr Transparenz, mehr Kundenorientierung und mehr Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen setzen wird.“ Dornheim sei zudem einem modernen teamorientierten Führungsstil verpflichtet und werde auch auf diesem Feld neue Maßstäbe setzen.

Einem teamorientierten Führungsstil hat sich auch Jeanne-Marie Ehbauer (54) verschrieben, die am Mittwoch – wesentlich geräuscharmer – als Nachfolgerin von Rosemarie Hingerl zur neuen Baureferentin gewählt wurde. Zudem wurden Andreas Mickisch (SPD) als Personal- und Hanna Sammüller-Gradl (Güne) als Kreisverwaltungsreferentin vereidigt.

Ehbauer hat in Karlsruhe und Zürich Architektur mit dem Studienschwerpunkt Stadtplanung studiert und schloss ihre Studien 2004 mit der Promotion ab. Nach Tätigkeiten als Beraterin für ökologische Stadt- und Hochbauplanung übernahm sie 2014 die Leitung des Baudezernats von Bremerhaven und war in dieser Funktion hauptamtliches Mitglied des Magistrats.

Referentenwahl in München: Grünen-Chefin Mona Fuchs spricht von ambitionierten Zielen im Wohnungsbau

„Mit den ambitionierten Zielen beim Wohnungsbau, dem Schulbauprogramm, der Umsetzung der Verkehrswende und der Umgestaltung des öffentlichen Raums steht das städtische Baureferat vor großen Herausforderungen“, sagt Grünen-Chefin Mona Fuchs. „Wir sind sicher, dass Jeanne-Marie Ehbauer diese Aufgaben auch im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes bewältigen wird.“

Zu bewältigen hatte auch Laura Dornheim anstrengende Tage. Am Abend, so verriet ihre Mutter am Rande der Vollversammlung, werde man den Tag mit der Familie im Biergarten ausklingen lassen. Und dort wird zumindest einer von der CSU auf die neue IT-Referentin anstoßen.

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