Auch in München

Neue Regeln für Radler: Das ändert sich 2017

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Die Fußgängerampel zeigt Rot. Sie gilt – noch – auch für die Radler an der Kreuzung. Die Autoampel ist rund neun Sekunden länger grün. 2017 müssen Radler immer und ausschließlich auf die Autoampel schauen.

München - Radler müssen sich bald an neue Regeln halten: Das ändert sich 2017 auch in München.

Mittags an der Bayerstraße, Ecke Paul-Heyse-Straße im Bahnhofsviertel. Die Fußgängerampel springt auf Rot, Fußgänger bleiben stehen, die Radler auf dem Radlweg auch. Die Auto-Ampel ist aber noch neun Sekunden lang grün, Autofahrer drücken das Gaspedal durch, einige biegen rechts ab. Laut geltender Straßenverkehrsordnung (StVO) handeln die Radler richtig – zum Jahreswechsel wird die Regel jetzt aber geändert. Wer blickt da noch durch?

Schon jetzt gibt es in München pro Jahr rund 700 Unfälle, bei denen Autofahrer beim Rechtsabbiegen Radlfahrer rammen. Fast jeder vierte Radlunfall passiert so.

Bislang galten für Radler die Fußgängerampeln – wenn sie auf einem Radlweg ohne Radl-Ampel unterwegs waren. Ab 1. Januar 2017 gilt laut StVO: „Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten.“ Oder wie Andreas Groh vom Radlverband ADFC sagt: „Endlich gelten Fahrräder als Fahrzeuge und nicht als Gehzeuge.“

Er begrüßt die Änderung. „Für Radler gilt nie mehr die Fußgängerampel.“ Das sei fairer, schließlich seien Radler viel schneller als Fußgänger.

Was aber ist, wenn sich Autofahrer, die nach rechts abbiegen, durch die roten Fußgängerampeln in Sicherheit wiegen? Nach dem Motto: „Die Fußgänger haben Rot, da kommt keiner, ich kann also abbiegen“?

„Dieses Problem wird zunehmen“, sagt Groh. Früher mussten auch die Radler auf dem Radlweg halten – bald können sie so lange fahren wie die Autos. „Aber: Die Autofahrer müssen Fußgängern und Radlern Vorrang gewähren – ganz egal, wie die Ampelregelung ist.“

Der ADFC will seine Mitglieder über die neue Regelung informieren, auch wenn grundsätzlich „jeder Verkehrsteilnehmer verpflichtet“ sei, die aktuelle StVO zu kennen, so Groh. Auch der ADAC begrüßt die neue Regelung. Man werde die Autofahrer informieren, heißt es aus der Pressestelle. Das Kreisverwaltungsreferat verweist an die Polizei – und die sagt: „Alles, was Räder hat, benutzt in Zukunft die selben Ampeln.“ Die neue Regelung sei nicht gefährlicher als die alte.

Das sagen die Radler:

Autofahrer müssen schauen: Ist doch logisch, dass ich mich an die Fußgängerampel halte, oder? Schließlich fahre ich ja auch direkt neben dem Fußgängerweg. Dass sich was ändert, habe ich nicht gewusst. Ich hoffe, dass jeder die Änderung mitkriegt. Besonders die Autofahrer müssen vorsichtig sein – ohne Schulterblick geht es nicht. Grundsätzlich ist die Situation für Radler in München vergleichsweise gut. Markus Minning (36), Logistiker aus Halle

Christian Fischer (31), Jurist aus München

Wer ist Schuld an der Radl-Verwirrung? Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass viele Radler wissen, dass bisher die Fußgängerampel für sie galt. Ich weiß gar nicht, wem man für diese Verwirrung einen Vorwurf machen soll. Dem Gesetzgeber? Man kann ja nicht jedem Bürger einen Brief schreiben. Grundsätzlich begrüße ich, dass die Regelung einfacher wird. Radeln ist wichtig für die Stadt, für die Umwelt. Allerdings müssen sich auch alle Radler an rote Ampeln halten. Christian Fischer (31), Jurist aus München

…und drei weitere Verkehrs-Neuerungen für 2017

Bislang mussten radelnde Eltern, die kleine Kinder begleiten, auf dem Radweg oder der Fahrbahn fahren, während die Kinder den Fußweg nutzen durften. Jetzt darf ein (!) Elternteil mit Kindern bis zum vollendeten achten Lebensjahr auf dem Gehweg radeln – in Schrittgeschwindigkeit. An Kreuzungen müssen beide absteigen und schieben.

E-Bikes, die bis Tempo 25 rein elektrisch fahren können, dürfen jetzt auch auf Radwegen rollen. Pedelecs, die Fahrer bis zum diesem Tempo beim Treten unterstützen, durften das bislang schon. Kenntlich gemacht werden soll die Regelung mit einem neuen Verkehrsschild für E-Bikes. Die schnelleren S-Pedelecs müssen weiter auf der Straße fahren.

In München gibt es 58 Fahrradstraßen – künftig könnten die Radler hier Vorfahrt haben. Weil die Rechts-vor-Links-Regel den Fluss bremse und immer wieder Unfällen verursache, will das KVR in der Clemensstraße Radler-Vorfahrt testen. Weitere Tests: grüne Welle in der Schellingstraße und grüne Rechtsabbieger-Pfeile.

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