Heimag in finanzieller Schieflage

Neue Sorgen an der Mieter-Front

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Die Heimag besitzt in München rund 5000 Wohnungen, hier als Beispiel: Harlaching.

München - Im Rathaus bahnt sich die erste große Pleite in der Amtsperiode von OB Dieter Reiter (SPD) an: Das städtische Wohnungsbau-Unternehmen Heimag schreibt überraschend tiefrote Zahlen.

Die Aufsichtsräte beider kommunalen Unternehmens verweigerten nach tz-Informationen den Geschäftsführern die Zustimmung für den Wirtschaftsplan 2015. Was das bedeutet? Das Rathaus schweigt, die tz  erklärt.

Die Heimag – eine Tochter der städtischen Gewofag – verwaltet rund 5000 Wohnungen, die zu sozial vertretbaren Preisen vermietet werden sollen. 2006 hatte die Gewofag einen 20-prozentigen Anteil des Aktienpaketes an der Heimag gekauft. 50 Prozent gehörten erst der Stadt, auch dieser Anteil ging in den Besitz der Gewofag über.

Nachdem der Aufsichtsrat – bis 29. Juli 2014 noch mit Alt-OB Christian Ude (SPD) als Chef, jetzt mit seinem Nachfolger Reiter, Stadtbaurätin Elisabeth Merk, Kämmerer Ernst Wolo­wicz (SPD), Stadträten und Arbeitnehmervertretern – in früheren Jahren schwarze Zahlen serviert bekam, gab es heuer bei der Erstellung des Wirtschaftsplanes für die Jahre 2015 bis 2019 eine böse Überraschung: Die Heimag, berichten Insider, könne dringend anstehende Sanierungen in ihrem Bestand nicht mehr aus den Einnahmen finanzieren. Die Sanierungskosten habe man viel zu niedrig angesetzt. Insider sprechen sogar von einer „erheblichen Schieflage“.

Für manche ist das keine Überraschung: Schon 2012 brach der traditionelle Heimag-Gewinn von sechs Millionen auf ein Minus von knapp drei Millionen Euro ein. Kritiker werfen der Muttergesellschaft Gewofag vor, seit der Besitznahme der Anteilsmehrheit „wie eine Heuschrecke“ die Heimag auszuweiden. So sei die gewinnträchtige Bauträgersparte der Heimag der Gewofag zugeordnet worden – mit der Folge, dass die Einnahmen jetzt die Gewofag kassiert und nicht die Heimag.

Nachdem die Aufsichtsräte dem Heimag-Wirtschaftsplan ihren Segen verweigerten, soll sich morgen der Kommunalausschuss mit den roten Zahlen beschäftigen. Wie es nun weiter geht? OB Dieter Reiter, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Gewofag, wollte sich am Dienstag dazu gegenüber der tz nicht äußern und verwies auf Stadtbaurätin Elisabeth Merk – die auch keine Auskunft erteilte, genauso wie die Gewofag selbst. Nur Stadträtin Sabine Nallinger (Grüne), im Aufsichtsrat der Gewofag vertreten, erklärte: „Wir werden uns wohl von den bisherigen guten Renditen der städtischen Wohnbautöchter verabschieden müssen.“

Das sagen betroffene Heimag-Mieter in Laim

Es wird gespart

Dagmar Brummer (71).

Ich bin lange genug dabei. Ich habe vor 14 Jahren mitgeholfen, als neue Balkone eingebaut wurden. Ich muss schon sagen, dass sich der Ankauf der Heimag durch die Gewofag bemerkbar macht. Seitdem hat sich einiges verändert. Es wird gespart. Der Hausmeister ist nicht mehr so gut. Im Winter kommt er gar nicht hinterher. Und die Arbeitskräfte sind auch billig. Trotzdem: Wird eine Wohnung frei, wird sie saniert. Natürlich steigt dann auch der Mietpreis. Wenn ich etwas auszusetzen habe, dann beschwere ich mich direkt bei der Heimag-Zweigstelle hier in Laim.

Keine Probleme

Erna Preißl (65).

Ich bin zwar erst vor ein paar Jahren in eine Heimag-Wohnung eingezogen. Mit dem städtischen Wohnbauunternehmen selbst hatte ich aber bisher überhaupt keine Probleme. Als ich die Wohnung bekommen habe, war alles frisch renoviert: Türen, Fenster, Böden, Toilette. Das einzige, was nicht so der Knaller ist, ist die Haustüre. Die wird glaube ich nur alle zehn bis 15 Jahre erneuert. Ich fühle mich aber sehr wohl hier.

Fragebögen für Mieter

Kurt Schweighart (80).

Ich wohne seit 52 Jahren hier und habe nichts zu beanstanden. Wenn etwas repariert werden muss, dann kommt ein Installateur oder Handwerker. Wir haben neue Balkone bekommen und die Speicher wurden wärmeisoliert. Erst vor kurzem haben wir Mieter Fragebögen von Heimag bekommen, in denen wir angeben sollten, wie zufrieden wir mit dem Hausmeister-Service sind. Den habe ich natürlich ausgefüllt. Wie’s der Heimag finanziell geht, weiß ich nicht. Aber bei den meisten Wohnbaugesellschaften herrscht ja ein gewisses Durcheinander. Da weiß keiner, wer zu wem gehört.

tz-Stichwort: Die Heimag

Das Wohnungsbauunternehmen Heimag wurde 1919 gegründet und sollte Münchner mit bezahlbarem Wohnraum versorgen. Eine Hälfte gehörte von Beginn an der Stadt München, die andere bis 2006 der Gagfah, einer Tochter der Bundesversicherungsanstalt (BFA). 2006 kaufte die städtische Wohnbautochter Gewofag eine 20-prozentige Beteiligung an der Heimag der Gagfah ab, 30 Prozent kaufte die GWG Baden-Württemberg (nicht zu verwechseln mit der ebenfalls städtischen Münchner Wohnbautochter GWG).

Heute befindet sich das Unternehmen zu 70 Prozent im Besitz der städtischen Gewofag, 30 Prozent im Besitz der GWG Baden-Württemberg, einer Tochter der R+V-Versicherungen im Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken.

Johannes Welte

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