Bürgermeister Schmid präsentiert Kampagne

Neue Tourismuswerbung: Ist München das wirklich?

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Bürgermeister Josef Schmid (CSU) präsentiert die neue München-Werbung, um Touristen zu locken.

München - Das Leben in München ist einfach. Das will uns zumindest der neue Tourismus-Auftritt der Stadt sagen, den Josef Schmid (CSU) jetzt vorgestellt hat. Aber sind wir wirklich so?

Falls Sie es noch nicht wussten: Das Leben in München ist einfach – einfach fesch, einfach Heimat, einfach griabig oder eben einfach München. Die Stadt ist Brezn, Dirndl, Herzerl, Zamperl. Das will uns zumindest der neue Tourismus-Auftritt der Stadt sagen, den Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Freitag vorgestellt hat. Aber sind wir wirklich so?

Hübsch anzuschauen und fröhlich sind die Bildchen der Münchner Agentur „Zeichen & Wunder“ schon und durchdacht ist das Konzept auch – voller Hintergedanken: Die Breze soll für Genuss stehen, die Türme der Frauenkirche für Kultur, das Herz für die Lebensfreude. Das Gelb vermittelt die Sonne, das Grün die Natur und das Blau den Himmel. Selbst die Muster im Hintergrund sind nicht zufällig gewählt: Die schrägen Balken sollen etwa für einen Maibaum stehen – warum auch immer …

Mit diesem Entwurf konnte sich „Zeichen & Wunder“ im Kreativwettbewerb der Tourismusinitiative durchsetzen. Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich. Schmid lobt: „Die Agentur verschafft dem Erscheinungsbild von München Tourismus nicht nur einen modernen, zeitgemäßen Look, sondern macht auch in Wort und Bild erlebbar, wofür München wahrgenommen werden will.“

Genau hier ist der Haken: Die Stadt wollte eigentlich weg vom Bier & Brezn-Image und sich mehr in Richtung Kunst, Kultur und Hightech positionieren, um das gediegenere Publikum an die Isar zu locken. Schlagwort: „Von der Genusskultur zum Kulturgenuss.“ Tourismus-Chefin Geraldine Knudson sprach da vergangenen Oktober von „Schätzen“. Eigens eine Studie war dazu in Auftrag gegeben worden.

Nur: Im neuen Tourismus-Konzept findet sich davon kaum etwas. Keine Hightech-BMW-Welt, das mit 2,9 Millionen Besuchern wichtigste Touristen-Ziel in Bayern! Kein Deutsches Museum, kein Orchester, nicht einmal Fußball. Tourismus-Chefin Knudson entgegnete: Das werde sich ändern, wenn demnächst die passenden Fotos für die Tourismus-Werbung ausgesucht würden. Und was meinen Sie?

Franziska Schwarzwälder (27), Flugbegleiterin aus Bad Tölz: "Meiner Meinung nach ist die neue Werbestrategie der Stadt sehr gelungen. Klar, mit den Motiven werden natürlich wieder einige Klischees bedient. Ich finde aber, dass man unsere Tradition ruhig nach außen tragen darf und sogar muss. Denn nur dadurch unterscheiden wir uns ja von anderen Großstädten der Welt. Das macht uns einzigartig! "

Sabine Goeden (42), Ingenieurin aus München: "Ganz ehrlich? Mir gefällt’s nicht. Damit werden ja die typischen Vorurteile wieder einmal von vorne bis hinten bedient. Ich bin als Ingenieurin oft in Norddeutschland unterwegs. Da braucht es einen nicht mehr wundern, dass die Welt denkt, dass die Münchner oder die Bayern täglich in Lederhosen und Dirndl rumlaufen. Manche Symbole kann ich auch nicht richtig deuten."

Fransiska Auer (18), Schülerin und Michael Reiter (20), Student aus München: "Das ist eine echt witzige Idee! Vor allem die bunten Motive springen einem so richtig ins Auge. Wir würden uns aber eine noch spezifischere Werbestrategie für München wünschen. Denn die Abbildungen und Sprüche könnten ja auch auf einige andere Städte in Bayern zutreffen. Aber das ist natürlich auch Geschmackssache."

Sagen Sie uns Ihre Meinung

Ist München wirklich einfach? Oder macht es sich die Werbung ein bisserl zu einfach? Schreiben Sie uns bitte Ihre Meinung per E-Mail an lokales@tz.de

David Costanzo

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