Zoff um neue Tram: Sie steht und steht ...

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Die Vario­tram. MVG-Chef König zitiert einen Gutachter: „Wenn diese Tram mal fährt, wird sie das bestüberprüfte Schienenfahrzeug Europas sein.“

München - Ab zur nächsten Runde im Poker um die neue Tram. Es ist eine unendliche Geschichte. München, die neue Trambahn – und das Warten auf die Zulassung.

Die neuen Züge vom Typ Variobahn hätten ja eigentlich ab Sonntag den Linienverkehr auf der neuen Strecke nach St. Emmeram aufnehmen sollen. Tun sie aber nicht. Die zwölf Bahnen (Stückpreis: drei Millionen Euro) stehen nutzlos im Betriebswerk Steinhausen, denn die Regierung von Oberbayern hat immer noch keine Zulassung erteilt. Ab und zu werden die Züge im Kreis bewegt – damit die Fahrer nicht ihre Fahrerlaubnis für den Tramtyp verlieren und damit die Tram-Räder vom vielen Rumstehen nicht eckig werden (kein Witz!).

Der Zulassungskrimi geht unterdessen weiter: Am Mittwoch schickte die MVG eine E-Mail mit 16 Megabyte Daten an die Regierung. Gutachten, wieder mal – so wie seit 2009 schon jede Menge anfertigt worden sind. MVG-Chef Herbert König: „Wir haben mittlerweile fast eine Million Euro für Gutachten ausgegeben.“

Bei der Regierung arbeiten jetzt sechs Ingenieure und Juristen an der Zulassung. „Wir prüfen mit Hochdruck, bis spät in die Nacht“, so Pressersprecher Heinrich Schuster. Ob die Anforderungen mit den neuen Unterlagen erfüllt sind, vermag er nicht zu prognostizieren.

Auch MVG-Chef König mag mittlerweile keinen Zeitrahmen mehr angeben: „Es kann sein, dass wir morgen Abend die vorläufige Genehmigung bekommen – aber es könnte genauso gut sein, dass es noch Wochen dauert.“ Oder noch länger.

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Wenn die Tram dann tatsächlich mal fahren darf, droht allerdings Knatsch von anderer Seite. Ein Tram-Fahrer berichtet der tz: „Das Sichtfeld des Fahrers ist wegen der breiten Fensterrahmen sehr eingeschränkt, man sieht querende Fußgänger sehr spät.“ Die MVG widerspricht nicht, erklärt aber, dass die Breite der Rahmen sich „aus einschlägigen Normen“ ergibt und „der passiven Sicherheit sowohl des Fahrers als auch der Fahrgäste“ dient.

Der Tramfahrer weiter: „Beim Halten verdeckt die offene Tür den rechten Außenspiegel.“ Auch das entspricht laut MVG den Normen – und außerdem: „Die Türen werden im geöffneten Zustand per Lichtgitter automatisch überwacht und auch automatisch geschlossen. Bei geschlossenen Türen, und das ist entscheidend, hat der Fahrer freie Sicht.“

Der nächste Kritikpunkt ist der Kurvenradius der Variobahn. Es kann sein, dass der Fahrer zwar vorn an einem geparkten Auto vorbei kommt, es aber weiter hinten eng wird. „Darum mussten etwa an der Zweibrückenstraße/Ecke Rumfordstraße Parkplätze gestrichen werden“, so der Fahrer.

Die MVG bestätigt, dass die Vario­bahn wegen ihres „völlig anderen Konstruktionsprinzipes ein anderes Kurvenverhalten“ aufweist. Doch nahe am Gleis parkende Autos seien schon immer ein Problem gewesen. Auf der neuen Strecke nach St. Emmeram (auf der kurz vor der Eröffnung noch ein Bordstein versetzt wurde) kommen nun ältere Züge zum Einsatz, die auf anderen Strecken – vor allem auf der Linie 12 – fehlen. Dort fahren dann Ersatzbusse.

J. Welte

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