Stadt sichert Siedlungsflächen zwischen Riem und Unterföhring

Neue Wohnungen für 10.000 Münchner

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Für das Wohnviertel in Obersendling sollen 2015 die Bagger rollen.

München - Wohnt hier die Zukunft Münchens? Am östlichen Stadtrand - zwischen Riem und Unterföhring - könnte ein völlig neues Viertel entstehen. Dort wäre Raum für 10 000 Münchner und 2000 Arbeitsplätze.

OB Christian Ude (SPD) teilt mit, dass die Stadt dort sogenannte "Vorbereitende Untersuchungen" vornehmen will. Dieser bürokratische Vorgang soll Bodenspekulanten zu einem möglichst frühen Zeitpunkt einen Riegel vorschieben. München hat doch noch Platz!

Nach dem neuen Stadtteil Freiham im Westen wäre diese Siedlung ganz im Nordosten die nächstgrößte Fläche für Wohnungen in München. Westlich der S-Bahn Richtung Flughafen fast bis zur Stadtgrenze liegen die 540 Hektar - fast 13-mal so viel wie die Theresienwiese. Mitten in dem Gebiet sind die historischen und geschützten Dorfkerne von Daglfing samt Trabrennbahn und Johanneskirchen, die nicht angetastet werden würden. Demnächst entscheidet der Stadtrat, ob die Verwaltung das Gebiet prüfen soll. Alle weiteren Planungsfragen sind noch offen. Die Zustimmung dürfte eine Formalität sein - schließlich sind Wohnungen in München kostbar.

Keine Chance für Spekulanten

Das wissen auch die Spekulanten: Doch sie sollen keine Chance mehr haben. Nach Angaben der Stadt werden mit Bekanntgabe der Untersuchung die Preise der Böden in Privatbesitz praktisch eingefroren. Sie steigen nur noch gemäß der Konjunktur, aber nicht mehr, weil ein alter Acker plötzlich als Baugebiet ausgewiesen wird. In diesem Fall würden die Preise über Nacht explodieren, was wiederum die Preise für Wohnungen hoch treiben würde.

Ganz neu ist das Siedlungsgebiet nicht: Der Großraum wird im Beschluss des Stadtrats zur "langfristigen Siedlungsentwicklung" von vor zwei Jahren erwähnt. Darin kommen auch die Nachteile zur Sprache: Im Idealfall müsste die S-Bahn dort nämlich im Tunnel verschwinden, was Geld kostet. Außerdem würde die Anbindung ans Verkehrsnetz teuer werden - der Nahverkehrsplan der Stadt weist etwa eine Verlängerung von U-Bahn und Tram über Englschalking hinaus aus. Und: Der Umgang mit den alten Ortskernen stelle eine Herausforderung dar.

1000 Apartments in Obersendling geplant

Einen Schritt weiter sind die Pläne für Obersendling: An Boschetsrieder Straße und Drygalski-Allee sollen endlich rund 1000 Wohnungen für 3000 Münchner entstehen, dazu Hunderte Jobs. Ursprünglich wollte der Energiekonzern Eon dort eine Zentrale mit einem 80-Meter-Hochhaus bauen, dann lag die Fläche 14 Jahre lang brach, jetzt will der Immobilien-entwickler Accumulata ein neues Quartier errichten. Am Dienstag bekam der örtliche Bezirksausschuss die Pläne, am 12. Oktober soll der Stadtrat im Eilverfahren entscheiden.

Die Lokalpolitiker empörten sich über die dichte Bebauung: Neben einer großen Gewerbefläche sollen die 1000 Apartments nicht nur in Wohnblöcken mit fünf bis sieben Stockwerken entstehen - sondern auch in Hochhäusern mit 15 bis 17 Geschossen und einer Höhe von bis zu 60 Metern. Damit liegen die Wohntürme 17 Meter unter den Schornsteinen des alten Heizkraftwerks an der Drygalski-Allee. In jenem sollen Ausstellungs-, Verkaufsflächen und Büros unterkommen. Der Neubau könnte schon im kommenden Jahr beginnen, für das neue Wohnviertel sollen 2015 die Bagger anrollen.

David Costanzo

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