Wie die Polizei die Täter jagt

Neue Zahlen schockieren: München, das Paradies für Einbrecher?

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1540 Einbrüche wurden im letzten Jahr in München registriert.

Diese Zahl macht sprachlos: Innerhalb eines Jahres hat sich der Schaden durch Einbrüche in München von fünf Millionen Euro (im Jahr 2015) auf zehn Millionen Euro (in 2016) verdoppelt. Obwohl die Einbruchszahlen seit Jahren sinken bzw. stagnieren!

München - Einer von vielen Gründen für die Polizei, mit ihrer Kampagne „K-Einbruch“ in der dunklen Jahreszeit wieder die Sinne der Bürger zu schärfen für Klau-Banden, die vermutlich schon wieder im Anmarsch sind.

Die Zahlen: „Es ist unfassbar, wie viel Bargeld und Schmuck die Leute immer noch in ihren Wohnungen verwahren,“ bedauert Stefan Kast­ner angesichts des enormen Schadens. Als Leiter der Verbrechensbekämpfung hat der Leitende Kriminaldirektor den Überblick über die Münchner Einbruchskriminalität. 1540 Einbrüche wurden im letzten Jahr registriert. Jeder siebte Einbruch (Aufklärungsquote: 14 Prozent) wird geklärt. Die Haftstrafen liegen bei zwei Jahren aufwärts – einer der Gründe, warum manche Klau-Banden lieber einen Bogen um München machen. Auf 100.000 Einwohner kommen 84 Einbrüche. Zum Vergleich: 1997 lag diese Münchner Quote noch bei 197. Und in Hamburg ist das Risiko fünf Mal so hoch. Dennoch: „Jeder Einbruch ist einer zu viel. Er nimmt den Opfern unersetzliche Werte und stürzt sie in Angst, Depression und den Verlust des Sicherheitsgefühls.“

Polizei macht Jagd auf Klau-Klans

Die Jagd: Kriminalrat Reinhold Bergmann und seine Kollegen legten zuletzt zwei großen Clans das Handwerk, die in Kürze vor Gericht stehen werden. Drei Albanern wurden in München fünf Fälle und in ganz Bayern 22 nachgewiesen. Bundesweit für Schlagzeilen sorgte die Festnahme dreier Mädchen (14, 15 und 19 Jahre), die zu einer kroatischen Großfamilie gehören. Mit der kroatischen Polizei durchsuchten Münchner Beamte die Luxusvillen des Klau-Clans nahe Zagreb und beschlagnahmten jede Menge Beute. Darunter war eine Plastikkiste voller Diamanten. Vier Männer und eine Frau sitzen in U-Haft. 13 Einbrüche in München wurden ihnen nachgewiesen. Tatsächlich waren es wohl fast 100. Die Mädchen waren Einbruchs-Profis und damit sehr wertvoll für die Familie: „Sie werden verschachert an die Männer anderer Clans.“ Mit Liebe hat das nichts zu tun: „Je besser sie klauen, desto höher ist ihr Wert.“

Die Prävention: 48 Prozent aller Einbruchsversuche scheitern u.a. am Aufhebelschutz von (allen!) Fenstern und Türen. Fachmann dafür ist Kriminalhauptkommissar Heinrich Hauner vom K105 für Technische Prävention (Info unter polizei.bayern.de und k-einbruch.de). Die schärfste Waffe im Kampf gegen die Einbrecher ist immer noch der Nachbar: „Bayernweit verhinderten wachsame Bürger 366 Einbrüche und sorgten für 88 Festnahmen.“ Ein knappes Drittel davon – nämlich 102 Versuche mit 24 Festnahmen – entfiel dabei auf München.

Opfer: Diese Spuren bleiben ewig

Der Fall von Gertraud S. aus Oberschleißheim im November 2016 ist ein Paradebeispiel für einen Einbruch bei einsetzender Dämmerung. Die heute 81-Jährige war an jenem Tag mit Freunden beim Wandern. Als es langsam dunkel wurde, verschafften sich bis heute unbekannte Täter Zutritt zu ihrer Wohnung in dem Münchner Vorort.

Die Einbrecher kletterten über die Fassade des Mehrparteienhauses auf den Balkon der Rentnerin und knackten vermutlich mit einem Brecheisen die eigentlich gut gesicherte Tür. Zahlreiche Hebelspuren zeichnen sich ab – die Gangster hatten offensichtlich Mühe, gelangten aber schließlich trotzdem in die Wohnung. Weil niemand sie bemerkte und Gertraud S. sich noch auf dem Heimweg befand, hatten die Täter genug Zeit, die Räume nach Beute zu durchsuchen. Der materielle Schaden hielt sich in diesem Fall in Grenzen. 

„Diesen Verlust kann mir niemand ersetzen“

Gertraud S. sagt: „Die Versicherung hat mir alles erstattet, etwa 2000 Euro.“ Was wirklich schmerzt: „Sie haben mir Erinnerungen an meinen verstorbenen Mann genommen.“ S. hatte viele Schmuckstücke in ihrer Wohnung aufbewahrt, die sie von ihrem Gatten zu Lebzeiten geschenkt bekommen hatte. „Diesen Verlust kann mir niemand ersetzen“, seufzt die frühere Schuhverkäuferin. Trotzdem wirkt sie tapfer: „Anfangs war ich etwas verängstigt. Das hat sich aber schnell gelegt. Jetzt habe ich noch sicherere Fenster und Türen.“ Gertraud S. sagt, sie fühle sich wieder sicher. Von ihrer Familie erfährt sie große Unterstützung. „Meine Töchter sind immer für mich da“, sagt die Rentnerin.

Auch an jenem Abend im vergangenen Jahr, als die Einbrecher erst wenige Minuten verschwunden waren und Gertraud S. niedergeschlagen auf einem Stuhl in ihrer Küche saß, waren ihre Kinder da. Die tz durfte damals den Kriminaldauerdienst (KDD) bei einer Nachtschicht begleiten. Obwohl die Zahlen leicht zurückgehen: Die Beamten werden auch in diesem Herbst wieder viele Einbruchsopfer befragen müssen.

Lesen Sie auch: Immer mehr Straftaten in Bayern
und: Wie man sich vor Einbrechern schützt

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