Immer wieder Beeinträchtigungen

Erneutes Schienen-Chaos: So reagiert die Bahn

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Kampf dem Chaos: Fieberhaft wird an der kaputten Weiche an der ­Hackerbrücke gearbeitet.

Wieder mal stand ein Tag in München im Zeichen des S-Bahn-Chaos. Diesmal sorgte eine Weiche für Schweißperlen bei so manchem Pendler und der Bahn.

München - Das Grauen begann noch vor der Morgendämmerung: Am Dienstag gegen 4 Uhr in aller Herrgottsfrüh stellten Techniker der Bahn bei einer Routinefahrt an der Hackerbrücke fest: Die Weiche ist kaputt. Und dann, als die meisten Münchner noch schlummerten, begann die Arbeit an der verschlissenen sogenannten Weichenzunge - also jenem Schienenstück, das für die richtige Richtung der Bahnen sorgt. Die Folge: ein gigantisches S-Bahn-Chaos - und das bis in die Nachmittagsstunden.

Bis rund 15 Uhr wurde der Schaden behoben, danach lief der Zugverkehr auf der Stammstrecke wieder langsam an - mit Verzögerungen und Unregelmäßigkeiten im Fahrplan-Ablauf, die sich noch ein, zwei Stunden hinzogen. Während der Arbeiten an der Weiche mussten die Züge auf der Strecke „weitgehend ruhen“, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Sie sprach von einer „Ad-Hoc-Reparatur“. Falls Ihnen das Lateinisch vorkommt, haben Sie recht. Gemeint ist eine sofortige Weichen-OP.

Alle Infos zum S-Bahn-Chaos im Ticker

„Wir verstehen die Wut unserer Fahrgäste“

Womit wir wieder beim Dauerpatienten S-Bahn sind, auf den täglich rund 850.000 Passagiere angewiesen sind. „Es tut uns leid, dass wir wieder so viel Verspätung haben und verstehen die Wut unserer Fahrgäste“, sagt ein Bahnsprecher der tz. Er bittet um Verständnis dafür, dass alle S-Bahnlinien nicht regulär fahren konnten. Es gab etliche Zugausfälle, und diejenigen Züge, die fuhren, wählten Sonderwege.

Beispiele: Die S1 zuckelte von Freising/Flughafen ohne Halt an der Hackerbrücke bis Hauptbahnhof, wo sie am Starnberger Flügelbahnhof hielt. Die S2 Petershausen/Altomünster wurde zwischen Obermenzing und Ostbahnhof umgeleitet und befuhr die Stammstrecke gar nicht. Aus Mammendorf (S3) ging’s nur bis Pasing, ebenso auf der S4 (Geltendorf) oder S6 (Tutzing). All dies sorgte für überfüllte Bahnsteige, blank liegende Nerven, Drängen und Stöhnen in den Zügen.

Blick auf die defekte Weiche: Hier nahm das Chaos seinen Gang.

Ungenügende Informationspolitik der Bahn

Das Fass zum Überlaufen brachte die ungenügende Informationspolitik der Bahn. Hier gelobt die Bahn Besserung und gibt sich zerknirscht: „Es tut uns wirklich leid, aber wir versuchen, in einer konzentrierten Aktion der verschiedenen Geschäftsbereiche hier Abhilfe zu schaffen“, so ein Bahnsprecher. „Das ist ein ganz zentraler Punkt, und wir verstehen den Ärger.“

Wie das funktionieren soll? Bei einem Störfall, erläutert der Sprecher, müssen alle Züge (das sind je nach Betrieb zwischen 100 und 200) per Hand „umetikettiert“ werden. Dies soll digitalisiert werden, und dafür nimmt die Bahn „auch Geld in die Hand“.

Einen Fahrplan hierfür gibt es noch nicht. Aber: „Im nächsten Jahr wird voraussichtlich etwas passieren.“ Es wird höchste Zeit.

Matthias Bieber

Fahrgast-Umfrage am Ostbahnhof

„Wenn ich einen Zug erreichen muss, fahre ich grundsätzlich eine S-Bahn früher los. Ansonsten ist das Risiko zu groß, zu spät zu kommen. Ich hatte heute richtig Glück: Gerade in dem Moment, als in Erding meine S-Bahn ausfiel, ist ein leerer Ersatzzug angefahren. Aber: Die Ausfälle mehren sich. Es wird immer schlimmer, und schon früher war es nervig, dass immer was mit der S-Bahn war.“
Franz Gindert (61)

„Ich muss zu einer Tagung, und meine S-Bahn wird überhaupt nicht angezeigt. Das nervt mich absolut! Dass bei einem angeblichen Hightech-Standort wie München so etwas immer wieder passiert, ist nicht nachvollziehbar. Seit Jahrzehnten warten wir auf eine Lösung. Für den Wirtschaftsstandort München ist das unzumutbar. Die Straßen sind ja auch fast immer dicht. Es fehlt ein stimmiges Gesamtverkehrskonzept.“
Martin Armbruster (54)

„Ich bin extrem genervt. Bei diesen hohen Preisen sollte doch alles in Schuss sein! Zu Stoßzeiten wie dem Oktoberfest könnte ich Verzögerungen ja noch verstehen, aber an Tagen wie heute? Sowas passiert viel zu oft, ich kann das nicht nachvollziehen. Ich lebe schon mein ganzes Leben hier, und so ein Chaos kommt ständig vor. Auch sehr nervig: Die Lautsprecher-Durchsagen versteht man in der Regel so gut wie nicht.“
Gregor P. (37)

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