Ein Mann für die Mieter

Neuer Chef für Münchens Mieterbeirat

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Matthias Jörg, Vorsitzender des Mieterbeirats München.

München - Matthias Jörg ist der neue Vorsitzende des Mieterbeirats der Stadt – er fordert noch besseren gesetzlichen Schutz.

Matthias Jörg hat als Mieter viel erlebt. Auch Schlechtes. Erfahrungen, die ihm in seinem neuen Amt als Vorsitzender des Mieterbeirats der Landeshauptstadt von Nutze sein können. Ende Oktober hat der 40-Jährige die Nachfolge von Katja Weitzel (SPD) angetreten. Als Geschäftsführer wird er für die nächsten drei Jahre öffentliche Sitzungen leiten und die Interessen der Münchner Mieter in der Politik vertreten.

Sich in die Lage der Mieter einzufühlen wird Matthias Jörg nicht besonders schwer fallen. 20 Jahre Mieterfahrung liegen hinter dem gebürtigen Dachauer. Wenn es darum gehe, eine Wohnung gewinnbringend zu veräußern, handelten Vermieter schon mal sehr willkürlich und frei nach dem Motto: „wie mache ich es den Mietern unbequem“. Eine Erfahrung, die auch Jörg machen musste. In seinem neuen Amt will der SPD-Chef von Sendling-Westpark die Mieter vor allem vor einem bewahren: den Verlust der Wohnung und der gewohnten Umgebung, etwa dann, wenn Vermieter Objekte luxussanieren, in Eigentumswohnungen umwandeln oder große Umbaupläne haben. „So ein Verlust ist für die Betroffenen besonders schlimm“, wie Jörg, der hauptberuflich als Vertriebsleiter bei den Münchner Kammerspielen arbeitet, weiß.

Mieter sollten sich zusammenschließen

Er hat es ja selbst erlebt. Auch ihm drohte schon einmal der Auszug aus einer Wohnung in einer großen Mietanlage, als diese in eine Eigentumswohnung umgewandelt werden sollte. Die Vergabe des Tiefgaragenstellplatzes war plötzlich an Bedingungen gekoppelt. Jörg sollte zuerst einer Erhöhung der Miete zustimmen. „Das war nicht fair. Und die Preissteigerung war für einen eher ländlichen Ort, wie Gauting es vor mehr als 15 Jahren noch war, zudem relativ hoch.“ Matthias Jörg fühlte sich ungerecht behandelt und wandte sich erstmals selbst an den Mieterverein. Wie er dort erfuhr, stand das Recht auf der Seite des Vermieters. „Am Ende musste ich klein beigeben und in die Mieterhöhung einwilligen.“ Als Einzelner habe man schlechte Karten, wenn es darum gehe, eine Wohnung zu retten, sagt er. Jörg rät Mietern dazu, sich zusammenzuschließen. Über 90 sogenannte Mietergemeinschaften gibt es in München. Eine Gründung, die auch der Mieterbeirat unterstützt, sei „relativ einfach“. Es müssten sich lediglich sieben Mieter einer Wohneinheit zusammentun.

Modernisierungsumlage ist Jörg ein Dorn im Auge.

Mietpolitisch ist eines seiner Ziele der Ausbau der Mietbremse, die Preissteigerungen nach Neuvermietung per Gesetz begrenzen soll. Wenn es nach ihm gehe, dürfe die Neumiete höchstens fünf Prozent und nicht wie bisher zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Auch die Modernisierungsumlage, wonach Vermieter bis zu elf Prozent der Sanierungskosten im Jahr für unbestimmte Zeit auf die Mieter umlegen dürfen, ist ihm ein Dorn im Auge. „Das darf nur zeitlich begrenzt möglich sein“, fordert Jörg, der mittlerweile selbst Eigentümer einer Wohnung in Sendling-Westpark ist.

Demnächst steht dem neuen Vorsitzenden des Mieterbeirats ein weiterer Umzug ins Haus: Sein Büro an der Burgstraße soll verlegt werden. Ein Raumwechsel. Doch diesmal hat er keine Probleme zu fürchten. Diesmal gehört das Gebäude keinem Miethai. Sondern der Landeshauptstadt München. „Da gibt es nichts, worüber man sich streiten müsste“, sagt Matthias Jörg mit Augenzwinkern. Gut so. Denn er wird viel zu tun bekommen für die Mieter in der Hauptstadt des Immobilienwahnsinns.

Christina Seipel

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