Geht jetzt alles ganz schnell?

Konzertsaal: Kultfabrik bei Standort-Beratungen vorne

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Auf dem Areal der Kultfabrik am Ostbahnhof, früher Standort der Firma Pfanni, könnte 2018 der Grundstein für einen Konzertsaal gelegt werden.

München - In den Beratungen um einen neuen Münchner Konzertsaal liegt das ehemalige Pfanni-Gelände mit Abstand vorn. Was für diesen Standort spricht und welche Alternativen noch im Gespräch sind.

Vielleicht ist alles ja nur noch Formsache. Und in wenigen Wochen wird bekannt gegeben, was sich seit dem Frühsommer längst abgezeichnet hat: Der neue Münchner Konzertsaal wird in der Nähe des Ostbahnhofs entstehen, auf dem Gelände der Kultfabrik, das sich zu einem neuen attraktiven Stadtteil wandeln soll. Wie gestern berichtet, hat das Architekturbüro Albert Speer & Partner, das von der staatlich-städtischen Arbeitsgruppe Konzertsaal beauftragt wurde, starke Gegenargumente gegen den Apothekenhof und das Eissportstadion im Olympiapark vorgebracht, mit weniger Einschränkungen auch gegen den Finanzgarten.

Warum die Variante Kultfabrik führt

Die Alternative Paketposthalle liegt in den Beratungen derzeit nur noch auf Rang zwei.

Wer sich bei der Arbeitsgruppe umhört, bekommt damit folgende Beliebtheitsreihenfolge bestätigt: Mit weitem Abstand, so ist offenbar die Stimmung, führt der Standort Kultfabrik, auf Platz zwei rangiert die Paketposthalle, dicht gefolgt vom Finanzgarten. Und der hätte, glaubt man diesen Schilderungen, durchaus Platz zwei erobern können, wenn Speer & Partner wirklich alle Argumente und „ein paar Präzisionsdetails“ für diese Alternative in ihr Gutachten geschrieben hätten.

Damit gilt als sicher, dass sich die öffentliche Hand bei ihrem seit Jahren verschleppten Prestigeprojekt mit einem privaten Investor auseinandersetzen will und muss. Der ist im Falle der Kultfabrik Werner Eckart, OTEC-Eigentümer und Erbe des Pfanni-Unternehmens, das am Ostbahnhof früher Hunderttausende Frischkartoffeln verarbeiten ließ. Der zweite private Mitbewerber, Mathias Niemeier, will sich allerdings nicht geschlagen geben. Er tritt auf für die Bayerische Projekt Beteiligung GmbH, an der zu jeweils 50 Prozent die Mathias Niemeier Property Makers und die Michael Dankerl Bau GmbH beteiligt sind.

Kultur am Rande des Finanzgartens? Vor allem Naturschutzbedenken sprechen dagegen.

Niemeier verhandelt mit der Post AG gerade über ihre Pakethalle an der Friedenheimer Brücke. Ziel ist es, der Post ein neues Grundstück zu besorgen und in der denkmalgeschützten, 159 Meter breiten und 124 Meter langen Halle gleich drei Säle einzubauen. „Wir sehen uns bestätigt darin, dass die Paketposthalle in die engere Wahl gezogen wurde und einen absolut realistischen Standort darstellt“, sagte gestern eine Sprecherin des Niemeier-Unternehmens. Man denke an einen großen Ort der Begegnung. Betont wird, dass die sich so ergebenden Nutzungsmöglichkeiten „ein sehr spannendes kulturelles Angebot bieten“.

Das gilt freilich auch für die Alternative Kultfabrik. Interessant ist, dass offenbar auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks keine Berührungsängste mit der sogenannten U-Musik zeigt, im Gegenteil. Gerade weil die Zukunft der klassischen Musik nicht in der Abschottung, sondern in der Erprobung von neuen Formen, Begegnungsstätten und Programmen liegt, kann man sich beim künftigen Hauptnutzer des Konzertsaals mit den Zentrumsrandlagen durchaus anfreunden. Der klassische Konzertsaal, der als einsamer Musentempel nicht nur imponiert, sondern manchen vielleicht abschreckt, ist ein Modell von gestern, auch das ist dabei herauszuhören.

Baustart im Landtagswahljahr 2018

Was den Standort Kultfabrik noch so attraktiv macht, ist die Anbindung. U-Bahn, S-Bahn, Busse, Tram, Nah- und Fernverkehrszüge – damit kann keine andere Alternative wuchern, dagegen sehen sogar die bestehenden Spielorte Gasteig und Herkulessaal alt aus. Was dem Ostbahnhof allerdings die größten Chancen einräumt: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) findet die Alternative am besten, hat darüber schon im vergangenen Juli ein paar verräterische Worte verloren und sieht sich dabei in Einklang mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). 2018 soll Baustart sein für den neuen Konzertsaal, im Landtagswahljahr machen sich Denkmäler bekanntlich immer besonders gut.

Sehr schnell könnte es also nun gehen mit der Siegermeldung in Sachen Standort – zumal auch diese und nächste Woche Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, in der Stadt weilt. Der übrigens, eigentlich ein Finanzgarten-Fan, hat sich vor geraumer Zeit eine sehr pragmatische Haltung zu eigen gemacht: Hauptsache, es wird endlich irgendwo gebaut.

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