Verkehrsverbund startet Großversuch

Neuer MVV-Tarif: Zahlen je Kilometer

Eine Grafik zeigt die Entwicklung des Menschen vom Affen bis zum Handy-Nutzer.
+
Die Entwicklung des Menschen vom Affen bis zum E-Ticket-Nutzer – so wirbt augenzwinkernd der MVV.

Der MVV startet einen Großversuch zum E-Tarif. Fahrgäste sollen mit dem Handy ein- und auschecken und zahlen die nach der Luftlinie berechnete Entfernung zwischen ihren Haltestellen. Jetzt werden Testpersonen gesucht.

München – Wer von Zonen die Nase voll hat, wer am Fahrkartenautomaten regelmäßig scheitert und wem überhaupt alles zu kompliziert ist beim Fahren mit U-Bahn, Bus oder Bahn – für den naht jetzt die Rettung. Vorausgesetzt er ist Handy-affin, hat ein I-Phone 10 (oder noch neuer) oder ein Android-Handy mit dem Betriebssystem 5 (aufwärts). Dann kann er an einem interessanten Versuch des MVV teilnehmen. Der Verkehrsverbund sucht bis zu 10 000 Gelegenheitsnutzer der MVV-Verkehrsmittel, die zwei Jahre lang ein E-Ticket-System testen wollen. Die Anmeldung erfolgt über www.swipe-ride.de

MVV-Chef Bernd Rosenbusch ist überzeugt, dass im E-Tarif die Zukunft liegt, ein Quantensprung sozusagen. „Wir gehen hier einen völlig neuen Weg, weg vom Zonensystem.“ Auch der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß, der die MVV-Landkreise vertritt, wirbt für den Versuch: „Unser MVV zeigt Innovationskraft“, verkündet er in einer Videobotschaft.

München: Neuer MVV-E-Tarif funktioniert auch bei schwacher Mobilfunk-Abdeckung

Statt nach Zonen wird der Preis bei einem E-Tarif nach der puren Luftlinie zwischen zwei Haltestellen berechnet. Bein Einsteigen meldet man sich über einen Wisch am Smartphone an, beim Aussteigen meldet man sich ab. Das System funktioniert mit GPS, der MVV musste also an keiner seiner rund 4000 Haltestellen Registrierungspunkte installieren. Nicht unwichtig im Digitalentwicklungsland Bayern ist das, was Vertriebsleiterin Theresa Schwegler bei der Präsentation sagte: „Es funktioniert auch bei schwacher Mobilfunk-Abdeckung, Funklöcher können überbrückt werden.“ Nur beim Ein- und Auschecken muss man Empfang haben.

Interessant ist der E-Tarif vor allem für Gelegenheitsfahrer, nicht aber für Abokunden. Der große Vorteil am E-Tarif sei ja nicht der Preis, sondern die Einfachheit, erläutert der MVV. Beim Vergleich mit der Streifenkarte – die ja die beliebteste Fahrkarte der Seltenfahrer ist – gibt es keine Faustformel. Mal ist es etwas teurer, mal billiger.

Die Luftlinie zählt

Der E-Tarif berechnet sich wie folgt:

Bei Bahnhöfen mit hoher Auslastung gilt ein Grundpreis von 1,10 Euro pro Fahrt und ein Entfernungspreis von 30 Cent je Kilometer. So kostet eine vier Kilometer lange Fahrt auf der S-Bahn-Stammstrecke vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof 2,30 Euro. Für die 32 Kilometer lange Strecke von Freising zum Marienplatz zahlt man schon 10,70 Euro. An weniger frequentierten Haltestellen gilt ein Grundpreis von einem Euro zuzüglich 20 Cent je Kilometer Luftlinie.

Mehrere Bestimmungen sind dabei noch zu beachten: Erstens gibt es einen sogenannten Tagesdeckel, also ein Obergrenze. Überschreitet keine Fahrt pro Tag 20 Kilometer Luftlinie, so zählt der Fahrgast insgesamt höchstens 7,90 Euro – egal, wie oft er fährt. Bei Fahrten über 20 Kilometer Luftlinie ist zweitens bei maximal 11,90 Euro Schluss. Zudem gibt es drittens Gutschriften, wenn man den E-Tarif öfter nutzt: zehn Prozent des monatlichen Rechnungsbetrags nach vier (oder mehr) Fahrten. Viertens gibt eine Zeitgrenze. Eine Fahrt darf höchstens eine Stunde dauern, dazwischen darf man aber ein- und aussteigen.

Jetzt aber müssen zunächst einmal Teilnehmer am Großversuch gewonnen werden. Sie müssen volljährig sein und aus Abrechnungsgründen eine Kreditkarte haben (EC-Karte reicht nicht).

Mehr zum Thema:

Kommentare