Neuer S-Bahn-Tunnel: Stadt fühlt sich erpresst

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Die Haidhauser Bürgerinitiative Tunnelaktion kämpft schon lange gegen den Ost-Bauabschnitt der 2. Stammstrecke, jetzt hat sie ihr Viertel verlassen und die Marienhof-Bäume „bedruckt“

München - Am Mittwoch kommen wegen der zweiten Stammstrecke die 80 Mitglieder des Stadtrats zum Sonderplenum zusammen. CSU-Fraktionschef Josef Schmid ist sauer.

Seit mehr als zehn Jahren wird offiziell an der zweiten S-Bahnstammstrecke gebastelt, geändert, neu geplant. Ungewöhnlich also, dass dem Münchner Stadtrat nun eine Eilentscheidung abverlangt wird, weshalb die 80 Mitglieder am Mittwoch zum Sonderplenum zusammengerufen werden. CSU-Fraktionschef Josef Schmid ist sauer über die plötzlich erforderliche „Ruckzuck-Entscheidung“ – nachdem Bahn und Freistaat endlich die seit zwei Jahren angekündigte Unterschrift unter den Finanzierungsvertrag geleistet haben. Schmid: „Wir fühlen uns unter Druck gesetzt.“ Und das, ohne zu wissen, ob das Zwei-Milliarden-Projekt wirklich gebaut wird. Die unbedingt notwendige Kostenbeteiligung des Bundes scheint derzeit an den Zuschlag für Olympia 2018 gekoppelt zu sein.

So sieht's im Stellwerk Ost aus

So sieht's im Stellwerk Ost aus

Trotzdem soll der Stadtrat am Mittwoch sogenannte Vorwegmaßnahmen auf dem Marienhof genehmigen: Die Bauherrin Bahn muss dort die obligatorischen archäologischen Untersuchungen durchführen. Geschieht das nicht, sei eine pünktliche Inbetriebnahme der Ersatzröhre bis zum Jahr 2017 nicht möglich. Eine Zustimmung des Gremiums ist wahrscheinlich – allerdings unter gewissen Voraussetzungen. Was genau die Fraktionen von der Bahn verlangen wollen – abgesehen von der bereits vorgesehenen Auslagerung der 38 Japanischen Schnurbäume – wird erst am Mittwoch in aller Frühe entschieden. Dabei wurde in den Fraktionssitzungen am Montag schon heftigst diskutiert. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl rechnet damit, dass am Mittwoch der anschließend mit den Grünen vereinbarte gemeinsame Änderungsantrag vorgelegt wird: Darin wird von Bahn und Freistaat eine bessere Informationspolitik gefordert, ein detaillierter Zeitplan für die Maßnahmen auf der ganzen Strecke und die Zusage, „dass der Marienhof nicht jahrelang als abgeräumte Fläche daliegt.“ Die Grünen wollten gestern noch prüfen lassen, ob man mit den Grabungen nicht auf der Freifläche des Marienhofs anfangen könnte. Die Ökos sorgen sich um die Bäume, die wegen der hohen Temperaturen ungewöhnlich früh austreiben. In diesem Zustand dürfe man sie nicht umpflanzen.

Die CSU will auch einen Zeitplan, aber „mit genauer Beschreibung, wo zeitliche Puffer für Unwägbarkeiten beim Baufortschritt eingeplant sind.“ Josef Schmid weiß noch nicht, ob seine Leute diese Angaben noch vor einer Zustimmung haben wollen oder „bedingt zustimmen“ werden. Es werde aber weitere Forderungen geben. Bei Grünen und CSU gab es bisher je drei grundsätzliche Gegner der Stammstrecke II. Die Haidhauser Bürgerinitiative Tunnelaktion besteht nur aus solchen. Ihre Aktivisten haben jetzt die 38 Stämme auf dem Marienhof mit Banderolen bestückt: „Der Baum bleibt hier.“

BW

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