Neuer Atlas nach Stadtvierteln

Wo in München die Schulden wohnen

München - Ein neuer Atlas gibt darüber Auskunft, wo in München die Schulden wohnen. Auffallend ist, dass die Zahl der Betroffenen vor allem in den In-Vierteln wuchs.

Wer in der Altstadt, in der Isar- oder in der Maxvorstadt lebt, läuft immer öfter Gefahr, Schulden anzuhäufen, die er nicht mehr zurückzahlen kann. Das sagt die Creditreform, die ihren Schuldenatlas für München vorstellte. Die Creditreform ist eine der größten Wirtschaftsauskunfteien Europas und treibt auf dem gesamten Kontinent Schulden ein. Dabei ist München nicht das lohnendste Pflaster, denn der Anteil der überschuldeten Einwohner an der Gesamtbevölkerung lag hier Ende 2012 mit 8,04 Prozent 1,61 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Doch die Tendenz ist steigend: Voriges Jahr nahm die Zahl der überschuldeten Personen um 0,3 Prozent zu. 92 701 Münchner konnten ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen.

Auffallend ist, dass die Zahl der Schuldner vor allem in den In-Vierteln wuchs: So stieg die Schuldnerquote in der Ludwigsvorstadt um 2,2 Prozent, in der Altstadt um 1,71 und im Lehel um 1,37 Prozent. Isarvorstadt (plus 1,31 Prozent) und Maxvorstadt (plus 0,98 Prozent) folgen.

Die städtische Schuldnerberaterin Erika Schilz erklärt sich das so: „In diesen Vierteln steigen die Mieten besonders schnell.“ Und da wo luxussaniert wird, werden die Wohnungen größer; deren Nutzer haben oft gar keinen Hauptwohnsitz in München und tauchen somit gar nicht in der Statistik auf.

An den klassischen sozialen Brennpunkten hingegen schrumpfen die Schulden: In Riem sank die Schuldnerquote um 5,6 Prozent! Hier hat Philipp Ganzmüller von der Creditreform folgende Erklärung: „Die Zahl der Wohngeldempfänger ist von 2004 bis 2011 um 46 Prozent gestiegen.“ Somit baute dort der Steuerzahler die Schulden ab. Auch im Hasenbergl fiel die Schuldnerquote um 2,8 Prozent. Zwar ist die Quote dort mit 15,09 immer noch im stadtweiten Vergleich spitze, doch nach Berg am Laim (13,97 Prozent) folgen schon die In-Viertel Ludwigsvorstadt (13,38 Prozent) und Altstadt (12,33 Prozent).

Neben den steigenden Mieten hat die Creditreform auch die Nebenkosten als Schuldentreiber ausgemacht. Ganzmüller spricht von „Energieschulden“, die die Creditreform für die Stadtwerke eintreibt. Außerdem bringt der Konsum viele Menschen an den Rand des Ruins, oftmals könnten Verbraucher die Raten für Sonderfinanzierungen beim Kauf von Unterhaltungselektronik nicht begleichen.

Aber auch Trennungen treiben immer mehr Menschen in die roten Zahlen. Schuldnerberaterin Schilz: „Die Fixkosten sind für eine Person in einem Singlehaushalt größer als in einem Mehrpersonen-Haushalt.“

Alter und Krankheit sind ebenfalls Schuldentreiber. Ganzmüllers Theorie: „Es sind vor allem psychische Krankheiten, die zunehmen.“ Eine wichtige Triebfeder dafür dürfte Stress in der Arbeit sein!

In Harlaching, Solln und Obermenzing scheint man all diese Probleme kaum zu kennen: Hier liegt die Schuldnerquote bei 5,3 bzw. 5,1 oder sogar nur 4,9 Prozent!

Johannes Welte

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Rubriklistenbild: © Creditreform

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