Ski-Heldin Hilde Gerg ist Fan

Neuer Trend im Englischen Garten: Tracht-Fitness

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Und ab in die Knie! Über 100 Münchner sporteln in Dirndl und Lederhose im Englischen Garten – unter ihnen (vorne rechts in grünem Dirndl): Ski-Ass Hilde Gerg

München - Es gibt einen neuen Trend im Englischen Garten: Lederhosentraining! Jetzt vor der Wiesn das beste Rezept für stramme Wadln – Ski-Heldin Hilde Gerg war auch schon dabei.

Für die Passanten geben die kunterbunten Tracht-Sportler ein ungewöhnliches Bild ab

Klaus Reithmeier (29) geht in die Knie. Streckt das Gesäß nach hinten und setzt sich in die Luft. Jeder einzelne Muskel zeichnet sich auf seinem Oberschenkel ab, die kurze Lederhose spannt. „Wir holen uns jetzt einen Muskelkater für morgen“, ruft er den 120 Trachtenträgern zu, die vor ihm in der Abendsonne im Englischen Garten stehen. Die Burschen in der Lederhosen, die Madln im Dirndl. Passanten bleiben mit offenem Mund stehen. Das ist der neue Trend: Lederhosentraining! Jetzt vor der Wiesn das beste Rezept für stramme Wadln – Ski-Heldin Hilde Gerg war auch schon dabei.

„Ich trainiere immer in Lederhose“, erzählt Fitness- und Personaltrainer Klausi. „Irgendwann dacht‘ ich mir: Du kommst aus Berchtesgaden, lebst in München – warum ziehst keine Lederhose an?“ Seither tut er das nicht nur für seine etwa 25 Kunden, die er jede Woche persönlich trainiert. Sondern auch für eine Gruppe 20- bis 30-Jähriger, die er jeden Montag um 19 Uhr an der stehenden Welle im Englischen Garten abholt. Auch Ski-Legende Hilde Gerg ist manchmal dabei (siehe unten).

Die Trainingswilligen werden von Woche zu Woche mehr. Die meisten recken und strecken sich ebenfalls in Tracht – Klaus Reithmeier ist nicht länger der einzige in bayerischer Garderobe.

Das fällt auf. Alina Schaefers (23) und Barbara Kubitza (26), die zufällig vorbei kommen, bleiben gleich hängen. „Wir machen die nächste Übung mit“, rufen sie und stellen sich in die letzte Reihe – und in die Formation der Trachtler: Arme zur Seite gestreckt und stehend auf einem Fuß beugen sich 120 Sportfreunde nahezu synchron nach unten und pflücken einen Grashalm. Danach stehen sie wieder auf, aber Klaus Reithmeier ruft gleich: „Wir bleiben noch auf einem Fuß stehen, halten Spannung!“

Die ersten stöhnen, manche wackeln, aber alle machen mit. Bis sie der Lederhosen-Trainer endlich aus der Muskelkatermaschine erlöst. „Ich spür’ echt schon was“, sagt Barbara Kubitza und lacht. Ein bisserl komisch sei es schon, im Rock zu trainieren. „Da schaut man die ganze Zeit, ob auch alles bedeckt ist“, meint Alina Schaefers und grinst. Aber Gaudi bringt’s! „Ich schau auf jeden Fall wieder vorbei“, sagt Barbara Kubitza, die in München studiert. Das Lederhosentraining findet sie super, denn: „Das ist so typisch München. Das findet man sonst nirgends.“

Genau das aber ist Klaus Reithmeiers Ziel : Dass irgendwann überall in Deutschland in Lederhosen trainiert wird – egal ob in Berlin, Stuttgart oder Castrop-Rauxel. „Ich will das flächendeckend einführen“, sagt er. Denn so lassen sich vielleicht auch Sportmuffel einladen. Reithmeier: „Die Lederhose verursacht einen Aha-Effekt. Da schaut man hin. Und es macht einfach Spaß, ist nicht so steif wie Training in Sportklamotten.“

Patricia Kämpf

Mehr Infos unter www.befitbesmart.com oder 0176/70190 561

Ski-Ass ist heute Studentin

Ist das nicht etwa …? Mitten unter den Tracht-Sportlern im Englischen Garten reckt sich Ski-Legende Hilde Gerg (37) in einem feschen grünen Dirndl. Die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 aus Schönau am Königsee ist großer Fan des Trachten-Trainings und schaut immer montags vorbei. „Das ist eine super Sache – die auch fit für die Wiesn macht!“

Sie geht heuer zweimal aufs Oktoberfest – und rät besonders den männlichen Wiesn-Gängern zu diesem Training: „Das ist ein Muskel- und Krafttraining, bei dem man erstens auch in der Lederhosen nicht zu sehr ins Schwitzen kommt. Zweitens bekommen die Männer knackige Hintern und stramme Wadln.“ Für Gerg, die im dritten Semester im Fernstudium Gesundheitsmanagement studiert, ist aber noch wichtiger: „Unsere Gesellschaft bewegt sich zu wenig.“ Und sie hofft, dass ein öffentliches Tracht-Training, das obendrein so viel Spaß bereitet, zum Mitmachen animiert.

Nach dem Studium will die „wilde Hilde“ – wie sie zu aktiven Zeiten genannt wurde – auch als selbstständiger Coach und Trainerin arbeiten. „Ich will meine Freude am Sport weitergeben. Denn nur durch Bewegung werden wir gesund alt.“

nba

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