Neues Leben am Oberanger - Nur die Stadt spielt stilles Örtchen

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Das Kommunalreferat ist eine merkwürdige Oase der Stille am neu erblühenden Oberanger. Stadtrat Richard Quaas kann sich hier ein Straßencafé vorstellen.

Eine Betonschneise mausert sich zum Boulevard: Der Oberanger hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Schmuckstück der Innenstadt entwickelt.

Am Jüdischen Gemeindezentrum flanieren Gäste aus aller Welt entlang, daneben wird derzeit der neue Angerhof fertiggestellt. Hier wird die Linde AG bis Anfang 2009 ihr neues Hauptquartier beziehen. Auch Luxus-Apartments werden hier geschaffen.

Die Stadt selbst hat 1,23 Millionen Euro in die Neugestaltung des Oberangers investiert. Nach einem halben Jahr Umbauarbeiten wurde die neue Flaniermeile mit ihren Rasenflächen und neuen Bäumen Mitte Juni von OB Christian Ude persönlich nach einem halben Jahr Umbau feierlich eröffnet.

Die Menschen haben den neuen Boulevard längst erobert. In den Straßencafés herrscht reger Betrieb. Nur an einer Stelle ist es merkwürdig still. Es ist das städtische Kommunalreferat, ein verklinkerter Betonbau aus den 70er Jahren. Hier verwalten 220 städtische Mitarbeiter den Grundbesitz der Stadt, mieten Räume an und leiten die Müllabfuhr.

Eigentlich liegt das Gebäude an einer idyllischen Passage vom Oberanger zum Rossmarkt. Zwei riesige Bronzepferde erinnern an die historische Bedeutung des Ortes, der sich auch hervorragend für ein Straßencafé eignen würde.

Es dürfte weltweit allerdings nicht viele Bronzepferde geben, die so stinken, wie die am Kommunalreferat. Die unbelebte Ecke wird nämlich gerne als Toilette missbraucht, städtische Reinigungsarbeiter müssen den Platz regelmäßig mit Hochdruckreinigern putzen.

CSU-Stadtrat Richard Quaas will jetzt dem stillen Örtchen neues Leben einhauchen. Die Verwaltung solle prüfen, ob man ein ehemaliges Lokal im Erdgeschoss des Kommunalreferats reaktivieren könne, so sein Antrag. Bis 2005 befand sich nämlich ein Café im Erdgeschoss, das nach mehrfachen Pächterwechseln zugesperrt wurde und nun städtische Büros beherbergt.

Die neuen Besucherströme am Oberanger könnten dem wiedereröffneten Lokal neue Chancen bieten. Auch Läden würden sich gut machen. Und so mancher Hausbesitzer in der Umgebung könnte dem Beispiel folgen, meint Quaas.

Der Sprecher des Kommunalreferates Christoph Gernhäuser ist nicht völlig abgeneigt von der Idee: „Man müsste prüfen, ob das von der Infrastruktur im Haus her geht. Eine Umgestaltung des Erdgeschosses müsste aber der Stadtrat entscheiden.“

Johannes Welte

Quelle: tz

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