Feierwütige pusten ins Röhrchen

"Chexxs": Alkohol-Aufpasser für die Feierbanane

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Klären auf: Daniel Daum und Anne Krüger.

München - Der Alkohol fließt, der Pegel steigt, die Hemmung sinkt. Damit die Partys auf der Feiermeile nicht jede Woche ausarten, hat sich sie Stadt das Projekt "Chexxs" überlegt.

Cool bleiben, friedlich feiern und sich nicht komplett volllaufen lassen: Wenn Anne Krüger (21) und Daniel Daum (20) an der Feierbanane zwischen Maximiliansplatz und Sendlinger Tor Gleichaltrige ansprechen, geht es nur um das eine – Alkohol. „Wir kommen nicht mit dem Zeigefinger, sondern wollen bei der Selbsteinschätzung helfen“, sagt Informatik-Student Daum. Sie lassen die Feierwütigen ins Röhrchen pusten: Sie sind die neuen Alkohol-Aufpasser an der Partymeile!

Seit September gibt es dieses neue Präventionsprojekt der Stadt mit Namen Chexxs: Insgesamt zehn junge Erwachsene wie Krüger und Daum machen sich freitags und samstags zwischen 22.30 und 3 Uhr auf an die Sonnenstraße – immer in Dreierteams. Sie lassen die Partyhelden erst ihre Promille selbst schätzen – und dann anonym pusten.

An den ersten fünf Wochenenden haben die Aufpasser 563 Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen: Meist kommen dabei am Alkomat zwischen 0,5 und 0,8 Promille heraus. Aber auch 1,5 Promille waren schon dabei. „Die waren total erschrocken“, sagt Daum. Wer unter 0,5 Promille hat, bekommt zur Belohnung Gummibärchen oder Schokolade.

„Wir wollen die Jugendlichen nicht drangsalieren. Sie sollen lernen, wie man mit Alkohol umgeht“, sagt Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne), der drei Töchter hat, von denen zwei noch voll im Partymeilen-Alter sind. „Das Problem ist, dass die Jugendlichen vorgeglüht kommen, weil die Preise in den Clubs so hoch sind.“ Die Aufpasser – die Initiatoren nennen sie Peers, also Gleichaltrige – werden von dem Hilfsverein Condrobs und der Stiftung SehnSucht vor dem Einsatz geschult.

Für komplett Betrunkene sind die Alkohol-Aufpasser aber nicht zuständig. Treffen sie auf Bierleichen, dann rufen sie die Streetworker. Gibt’s Stress, holen sie mit dem Einsatz-Handy die Polizei. Die allermeisten Jugendlichen sind aber ganz scharf aufs Röhrchen, sagt Sozialarbeit-Studentin Anne Krüger. „Sie haben ja sonst keine Möglichkeit, einmal einen Alkohol-Test zu machen.“

David Costanzo

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