Neues Solarkraftwerk der SWM in Spanien

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In diesen Rohren wird das bis zu 400 Grad heiße Thermo-Öl zur Kraftwerkszentrale gepumpt

Granada/München - Während sein Chef OB Christian Ude im Schottenhamel die ersten Bierkrüge einschenkte, besichtigte Stadtwerke-Chef Kurt Mühlhäuser am Samstag im fernen Andalusien das neue Solarkraftwerk Andasol 3.

Sicher, bloß ein alter Schlager, bloß Gaudi …„Die Sonne scheint bei Tag und Nacht, eviva España!“ hört man ja auch auf der Wiesn immer wieder gern. Während sein Chef OB Christian Ude im Schottenhamel die ersten Bierkrüge einschenkte, besichtigte Stadtwerke-Chef Kurt Mühlhäuser am Samstag im fernen Andalusien das neue Solarkraftwerk Andasol 3, an dem die SWM zu knapp 50 Prozent beteiligt sind und das zum Ende der Wiesn in Betrieb gehen soll. tz-Reporter Johannes Welte war dabei.

Auf der flirrenden Hochebene von Guadix nahe Granada reihen sich in endlosen Kolonnen sechs Meter hohe Glasspiegel auf, ein Bild wie aus einem Science-Fiction-Film vor Wildwestkulisse. Bis 2009 stemmten sich hier noch dürre Mandel- und Ölbäume gegen die Hitze des Südens, danach wuchsen die Glas- und Stahlungetüme in den Himmel. „Diese Parabolspiegel bündeln das Sonnenlicht auf ein vor ihnen verlaufendes Sieben-Zentimeter-Rohr aus Spezialstahl“, erklärt Kraftwerks-Geschäftsführer Dr. Martin Riffeser. Insgesamt sammeln 200 000 Parabolspiegel das Sonnenlicht in Andasol 3 auf einer 70 Fußballfelder großen Fläche ein und erhitzen Spezialöl in 80 Kilometer Rohren auf 400 Grad.

Dr. Riffeser: „Das Öl kann in einem Wärmetauscher direkt in Wasserdampf gewandelt werden, der über eine Turbine den Generator antreibt, der Strom erzeugt.“ Überschüssige Hitze kann in einem riesigen Speicher aus flüssigem Kalium- und Natriumsalz gespeichert werden. Diese gespeicherte Hitze kann dann nachts die Turbine antreiben – so gibt’s Energie rund um die Uhr. Die Sonne scheint so gesehen also tatsächlich bei Tag und Nacht. Dr. Riffeser jubelt: „Wenn die Spanier abends ihre Grills anwerfen, können wir unseren Strom verkaufen, obwohl die Sonne nicht mehr scheint.“ Die Spanier nehmen den Andasol-Strom zum Subventionspreis von 29 Cent pro Kilowattstunde ab. Der spanische Staat will mit diesen Preisen den Anteil regenerativer Energien erhöhen. Neben Andasol 3 stehen bereits die baugleichen Kraftwerke Andasol 1 und 2, die von Banken gekauft wurden. An Andasol 3 sind neben den SWM die Energieriesen RWE und Rheinenergie sowie die Technikkonzerne Ferrostaal und Solar Millennium beteiligt.

Andasol-Strom wird bis auf Weiteres also nicht aus Münchner Steckdosen kommen. Was das Projekt dann den Münchnern bringt? „Es geht darum, die Energiewende europaweit voranzutrieben“, so SWM-Chef Dr. Kurt Mühlhäuser. „Die Münchner wollen das, wir wollen sie aber nicht über die Maßen belasten und investieren darum nur in wirtschaftliche Projekte.“ Die SWM sind schon in zwölf europäischen Ländern tätig. Bis 2025 wollen sie so viel Strom erzeugen, dass er für den Münchner Strombedarf reicht. Ein Drittel des Zieles ist schon erreicht.

Johannes Welte

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