Müller-Pächter: "Kunden spucken uns vor die Füße"

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Fürchten die Pleite: Müller-Pächter Oliver und Dulni Deringer aus Solln.

München - Die Müller-Pächter trifft der ganze Zorn der Kunden: In den Bäckerei-Filialen bekommen Betreiber wie Dulni und Oliver Deringer die Auswirkungen des Hygieneskandals am eigenen Leib zu spüren.

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Bis vor drei Wochen war die Welt von Dulni Deringer (29) noch in Ordnung: Das Baby in ihrem Bauch wuchs und die Müller-Brot-Filiale, die sie mit ihrem Mann Oliver (42) seit 2010 betreibt, lief immer besser. Doch jetzt steht das Paar vor der Pleite! Mit dem Skandal um die hygienischen Zustände bei Müller brach der Umsatz um die Hälfte ein. „Uns droht die Pleite“, sagt Deringer. Und das ausgerechnet jetzt, wo er in vier Wochen Vater wird. Jeden Tag arbeitet er 13 Stunden, und trotzdem steht er vor dem Aus. „Die Kunden sind wütend. Manche spucken uns sogar vor die Füße, dabei können wir nichts dafür.“

Deringer ärgern nicht nur der Dreck und die Schädlinge, sondern auch die spärliche Informationspolitik von Müller. Dabei sei das Vertrauen der Kunden nur durch Offenheit zurück zu gewinnen. Es reiche nicht, den Kunden zu sagen, dass er derzeit keine Waren aus der Fabrik in Neufahrn verkauft, sondern aus anderen Bäckereien. „Die Leute wollen ganz genau wissen, woher die Waren kommen!“ Deshalb hat Deringer durchgesetzt, dass er von Müller Listen bekommt, in denen steht, wer was liefert. Seit Mittwoch bekommt er die auch - und kann seinen Kunden sagen, dass die Krapfen von der Bäckerei Heinz stammen, die Brezen von Bachmeier, die Laugenstangerl von Ihle und die Brote von Anker, Trosdorfer, Stauffenberg und anderen.

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Die 15 Prozent vom Umsatz will er weiter an Müller-Brot zahlen: „Wenn wir Pächter jetzt nichts mehr zahlen, ist Müller doch sofort pleite!“ Immerhin seien Retouren kostenlos. Andere Pächter der rund 260 Filialen sehen das anders. Laut Münchner Merkur haben sich 50 Pächter dazu entschlossen, nichts mehr an Müller zu zahlen. Weil sie, wie etwa der Penzberger Bäcker Hans Eberl, ihre eigenen Angestellten bezahlen müssen - trotz Umsatzeinbruch. Auch die Verkäufer fürchten um ihre Zukunft bei Müller: „Ich mag meinen Chef, aber vorsichtshalber schaue ich mich nach einem anderen Job um“, sagt Verkäuferin Alexandra Pillich (23) aus Penzberg. Wer weiß, was aus Müller-Brot wird. „Meine Freunde verarschen mich jetzt gerne wegen der Kakerlaken, aber witzig ist das nicht. Es geht um meine Zukunft!“

Susanne Sasse

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