Nach illegalem Abriss in Giesing

Nymphenburg: Nächster Münchner Bauskandal? Anwohner fürchten um Villa

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Nachbarn wollen den Abriss dieser Villa verhindern, die Entscheidung über den Bauantrag ist ausgesetzt.

Droht in München der nächste Bauskandal? Diesmal in Nymphenburg? Die Anwohner befürchten genau das und sind empört. 

Nymphenburg -  Die Nachbarn der Weiße-Rose-Villa an der Prinzenstraße sind in höchster Alarmbereitschaft. „Wir wurden aus sicherer Quelle informiert, dass in Kürze der bereits vom Eigentümer angekündigte Abriss dieses wertvollen Gebäudes in einer Blitzaktion beginnen wird – ohne Genehmigung!“ prophezeit Egon Minar. Die Stadt hat sofort reagiert – und die Polizei eingeschaltet. Der Eigentümer dementiert etwaige Abrisspläne.

Seit bekannt ist, dass die Lokalbaukommission einen Bauantrag zum Abriss der über 100 Jahre alten Villa und zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses prüft, liegen die Nerven bei den Nachbarn blank (wir berichteten). Die Villa sei in höchstem Maße schützenswert – zeitweise wohnten führende Mitglieder der NS-Widerstandsgruppe Weiße Rose darin.

„Das will niemand noch einmal haben“

Die Anwohner wandten sich an die Stadtverwaltung und an die Politik – der Rückhalt aus dem Rathaus ist fraktionsübergreifend groß. Auch die Behörden sind wachsam, ein halbes Jahr nach dem illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls in Giesing. „Das will niemand noch einmal haben“, sagte Thorsten Vogel vom Planungsreferat unserer Zeitung. Nach dem widerrechtlichen Abbruch des denkmalgeschützten Häuschens an der Oberen Grasstraße versucht die Stadt jetzt, einen ensemblegerechten Wiederaufbau in der überlieferten Kubatur des Uhrmacherhäusls durchzusetzen. Ein Bescheid soll „in Kürze“ erlassen werden.

Sensibilisiert durch den Giesinger Bauskandal, reagierte das Planungsreferat umgehend auf den Hilferuf aus Nymphenburg – und drohte ein Zwangsgeld an, sollten Bau- oder Abbrucharbeiten vorgenommen werden, solange die bau- und denkmalschutzrechtlichen Verfahren andauern. Laut Vogel läuft ein Bußgeldverfahren wegen zweier Bäume auf dem Villen-Grundstück, die aus Sicht der Anwohner „verhunzt“ wurden. Hinzu kommt nun die Angst vor dem illegalen Abriss: „Wir haben die Polizei um Überwachung gebeten“, so Vogel. Man habe „die Sache im Blick“, bestätigt ein Polizeisprecher und ergänzt zur Frequenz der Streifenfahrten: „Es sollte ausreichen, damit keine illegalen Arbeiten stattfinden können.“

Villa unter Denkmalschutz?

Der Eigentümer der Villa sagte auf Anfrage: „Fakt ist, wir haben das Objekt gekauft und einen Bauantrag eingereicht. Wir haben nach Recht und Gesetz gehandelt. Und wenn die Villa unter Denkmalschutz gestellt wird, bauen wir eben nicht.“ Bis feststeht, ob die Villa als Einzeldenkmal in die Denkmalliste eingetragen wird oder nicht, ist die Entscheidung über den Bauantrag laut Vogel ausgesetzt.

Daniela Schmitt

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