Aktion in Nymphenburg

Gegen „Elterntaxis“: Nymphenburger Schule bremst Eltern aus

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Schulleiterin Marlies Lindauer verteilt Handzettel an die Autofahrer. Gestern sagte sie, die Aktion trage bereits Früchte: Viele Autofahrer seien zumindest deutlich vorsichtiger gefahren.

Viele Eltern bringen ihr Kind mit dem Auto zur Schule – aus unterschiedlichen Gründen. Doch der rege „Elterntaxi“-Verkehr vor den Schulen sorgt vielerorts für Unmut und Gefährdungen. Die Maria-Ward-Schule will nun gegensteuern.

München - Ein grauer Novembermorgen, doch vor der Maria-Ward-Grundschule in Nymphenburg herrscht buntes Treiben: Eltern und Schüler in leuchtenden Warnwesten verteilen Flugblätter – an Autofahrer. Denn Autos, finden sie, gibt es hier viel zu viele. Darum hat die Schule die Aktion gestartet: „Autofrei – ich bin dabei“.

Jeden Tag von 7.30 bis 8 Uhr und nachmittags rangieren dutzende Pkws auf dem Platz vor der Schule: Eltern, die ihr Kind bis vor die Schultür fahren. „Hier herrscht wahnsinnig viel Hol- und Bringverkehr“, sagt Stephanie Normann, Vorsitzende des Elternbeirats – weil auch viele Schüler des dazugehörigen Gymnasiums und der Mädchen-Realschule gebracht werden. Wegen der Einbahnstraße müssen Autofahrer zudem vor der Schule wenden. „Dadurch kommt es häufig zu gefährlichen Situationen“, sagt Schulleiterin Marlies Lindauer. Zumal es eine hohe SUV-Dichte gebe: Zwischen den Geländewagen können Kinder noch leichter übersehen werden.

Sie setzen sich dafür ein, den Platz vor ihrer Maria-Ward-Schule autofrei zu machen: Stephanie Normann (2. v. re.), Christina Sachs und die Kinder Philipp (9), Ben (6) und Moritz (8, v. li.).

An zahlreichen der 135 Münchner Grundschulen sorgen die vielen „Elterntaxis“ für Unmut. Die Schulleitung der Bazeillesschule in Haidhausen bittet die Eltern regelmäßig, das Auto stehenzulassen. Auch vor der Helmholtzschule und dem evangelischen Kindergarten im Arnulfpark sind allmorgendlich wilde Park- und Wendemanöver zu erleben, mit denen auch die Polizei zu kämpfen hat.

Die Gründe der Eltern fürs Auto sind vielfältig. Laut einer ADAC-Studie von 2015 will jeder Zweite sein Kind vor Belästigungen schützen, findet den Schulweg zu gefährlich oder zu lang. Bei ebenso vielen liegt die Schule auf dem Weg zur Arbeit. Dabei beträgt laut Ulrich Lobinger, Sprecher des Referats für Bildung und Sport (RBS), der Schulweg in München im Regelfall maximal zwei Kilometer. Gastschüler aus anderen Sprengeln gibt es nur vier Prozent. An gefährlichen Stellen sind Schulweghelfer im Einsatz, und es gibt Schulwegpläne.

Initiativen gegen den Verkehr: Gemeinsam zur Schule laufen

Eines der Flugblätter, die die Kinder liebevoll gestaltet haben. Einen Unfall gab es vor der Schule laut Lindauer „Gott sei Dank noch nicht“.

Um dem Autoverkehr abzuhelfen, haben manche Schulen „Kiss & Go“-Zonen eingerichtet, wo Eltern einige hundert Meter vor der Schule ihren Nachwuchs absetzen können. Das scheidet an der Maria-Ward-Schule laut Lindauer aus, weil an der Menzinger Straße nicht gehalten werden darf. Jede dritte Grundschule nimmt am „Bus mit Füßen“ teil, einer Aktion des Kreisverwaltungsreferats und Green City seit 2004: Kinder laufen in Gruppen zur Schule, begleitet von Eltern. Mehrere Schulen hatten bereits Anti-Auto-Aktionen, etwa die Führichschule in Ramersdorf.

Dafür, zu Fuß – oder mit dem Roller oder ab der vierten Klasse mit dem Fahrrad – zu kommen, gibt es nicht nur sicherheitstechnische und ökologische Argumente. Das Kind sei dann „wacher, aufmerksamer und kann sich besser konzentrieren“, so Lindauer. Es lerne, sich zu orientieren, übe sein Verkehrsverhalten und werde selbstständiger. Diese Effekte sind laut ADAC wissenschaftlich nachgewiesen. Verantwortliche von Green City stellen fest, dass Erstklässler meist nach Weihnachten oder zum Halbjahr den Schulweg allein bewältigen.

Bei der „Autofrei“-Aktion werden nun Handzettel verteilt und ein Jahr lang täglich abgefragt, wie viele „Autokinder“ unter den Schülern sind. Die Klasse mit den wenigsten erhält am Monatsende die Trophäe „goldener Schuh“ und eine Schatzkiste. Das RBS begrüßt solche Initiativen. „Wir wollen die Eltern nicht bevormunden“, sagt Lindauer. Oft gebe es ja auch gute Gründe fürs Auto. Aber meist gehe es nur um Bequemlichkeit. Sie erzählt schmunzelnd: „Heute sagte ein Vater, es sei doch so kalt draußen.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Nymphenburg/Gern“.

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